In der Prignitz beginnt ab sofort wieder der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner aus der Luft. Erstmals seit 2018 setzt der Kreis dafür erneut Hubschrauber ein.
Am Montag gegen Mittag hob die Maschine in Legde ab. Für den ersten Einsatz waren dort rund 20 Flüge geplant, später sollte der Hubschrauber von zwei weiteren Startplätzen aus weiterarbeiten. Über die Woche sollen insgesamt etwa 610 Hektar behandelt werden, davon rund 280 Hektar im Amt Bad Wilsnack-Weisen. Ein großer Teil der Maßnahme betrifft auch das Amt Lenzen-Elbtalaue.
Für Bad Wilsnack-Weisen, einschließlich Flächen entlang der Elbe, standen die ersten Einsätze am Montag und Dienstag auf dem Plan. Bereits am Montagmorgen hatten die örtlichen Behörden eine Gefahrenmitteilung herausgegeben. Die Menschen wurden aufgefordert, sich während der tief fliegenden Überflüge in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Haus- und Nutztiere sollten nicht ins Freie gelassen werden, außerdem sollten leichte Gartenmöbel über eine Warn-App gesichert werden.
Gegen den Schädling wird ein biologisches Spritzmittel eingesetzt, das ein natürlich vorkommendes Bakterium enthält. Der Stoff gilt als unbedenklich für Menschen, Säugetiere, Vögel und nicht blattfressende Insekten. Die wässrige Lösung trocknet nach kurzer Zeit. Zusätzlich sind in Perleberg und Neuruppin auch Bekämpfungen vom Boden aus an Bundes- und Landesstraßen vorgesehen. Während der Arbeiten kommt es zu zeitweisen Sperrungen von Straßen und Flächen.
Brandenburg gehört zu den Bundesländern, die besonders stark vom Eichenprozessionsspinner betroffen sind. Auch im Nordosten haben die Maßnahmen bereits begonnen, unter anderem in den Kreisen Oder-Spree, Märkisch-Oderland und Teilen der Uckermark. Weitere Sprühaktionen sind in Oberhavel und Havelland geplant. In Berlin soll der Kampf gegen den Schädling nur in wenigen besonders sensiblen Bereichen stattfinden.
Der Befall nimmt nach Angaben der Behörden wegen des trockenen, warmen Wetters weiter zu. Die Raupen können bei Menschen Hautreizungen, Atemprobleme und allergische Reaktionen auslösen. Der Zeitpunkt ist heikel: Die gesundheitliche Belastung ist im Frühsommer am größten, wenn die Tiere und ihre Brennhaare besonders problematisch werden. Dass die Prignitz nun wieder Hubschrauber einsetzt, zeigt vor allem eines: Die Belastung ist so hoch, dass die Regionen zu einem Mittel greifen, das seit Jahren nicht mehr nötig schien.
Der Einsatz in der Prignitz dürfte damit nicht nur die betroffenen Wald- und Uferflächen entlasten, sondern auch den Takt für die kommenden Tage vorgeben. Entscheidend wird sein, ob die geplanten Flüge, Sperrungen und Bodeneinsätze ausreichen, um die besonders gefährdeten Bereiche vor dem Höhepunkt der Saison zu schützen.
