Die japanische Raumfahrtagentur JAXA hat im April erstmals ein neues Triebwerk getestet, das einen Passagierflug mit Mach 5 möglich machen soll. Der Versuch mit einem zwei Meter langen Modell fand am Kakuda Space Center statt und verlief nach Angaben des Teams von JAXA und der Waseda University planmäßig.
Bei dem Test arbeitete die Verbrennung wie vorgesehen, und auch die Messungen zur Hitzebeständigkeit lagen nahezu vollständig in dem Bereich, den die Entwickler erwartet hatten. Das Projekt läuft seit 2013 und ist auf die 2040er Jahre ausgerichtet. Dann könnte nach der Einschätzung der Entwickler der erste Passagierflug mit Mach 5 starten.
Das Ziel ist ehrgeizig genug, um den Unterschied sofort sichtbar zu machen. Ein Flug von Tokio nach Los Angeles dauert heute selbst ohne Umwege etwa zehn Stunden und überbrückt rund 8.800 Kilometer. Das neue Konzept soll eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 5.400 Kilometern pro Stunde erreichen und damit die Verbindung deutlich verkürzen.
JAXA und Waseda University entwickeln dafür einen Ramjet, also ein Triebwerk, das für sehr hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist. Die Technik ist nicht nur auf Tempo angewiesen, sondern auch auf Material, das extremen Belastungen standhält. Die Flugzeughaut müsste bei einzelnen Stellen Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius aushalten, dazu die Druckwellen, die im Flug entstehen. Geplant ist eine Reisehöhe von 25 Kilometern. Übliche Verkehrsflugzeuge fliegen meist in neun bis zwölf Kilometern Höhe.
Der Weg bis zu einem einsatzfähigen Flugzeug bleibt lang. Als nächster Schritt soll ein Modell entwickelt werden, das Testflüge absolvieren kann. Danach wollen die Ingenieure ein experimentelles Flugzeug und schließlich ein serienreifes Luftfahrzeug bauen. Das Konzept sieht außerdem vor, dass der Jet beim weiteren Hochflug möglicherweise mit einem Raketentriebwerk kombiniert wird, um bis zu 100 Kilometer Höhe zu erreichen. Für Start und Landung sollen weiterhin herkömmliche Landebahnen reichen.
Der April-Test ist damit mehr als ein Laborexperiment. Er zeigt, dass die zentrale Verbrennung im kleinen Maßstab funktioniert und die Hitzedaten nahe an den Erwartungen liegen. Für ein Feld, das seit dem Ende des Concorde-Betriebs nach einem Unfall im Jahr 2003 auf einen neuen Impuls wartet, ist das ein wichtiger Schritt. Ob daraus tatsächlich eine neue Ära des Überschall-Passagierverkehrs wird, hängt nun daran, ob JAXA und Waseda University den nächsten Sprung vom Modell zum flugfähigen Prototypen schaffen.
