Jack Nicholson hält den Rekord für die meisten Oscar-Nominierungen eines männlichen Schauspielers: zwölf Nominierungen über fünf Jahrzehnte, dazu drei gewonnene Academy Awards. Das ist die Bilanz eines Darstellers, dessen Präsenz sich von New Hollywood bis in die 2000er Jahre zog und der Rollen spielte, die sich im Gedächtnis festgesetzt haben.
Sein Durchbruch kam 1969 mit Easy Rider, wo er den alkoholkranken Anwalt George Hanson spielte. Danach folgten Auftritte, die zu Referenzpunkten des amerikanischen Kinos wurden: als Joker in Tim Burtons Batman, als Frank Costello in The Departed und als Garrett Breedlove an der Seite von Shirley MacLaine in Terms of Endearment. Nicholson konnte dabei ein Gangsterboss, einen zynischen Liebhaber oder einen Comic-Schurken spielen, ohne dass seine Figuren beliebig wirkten. Sein Spiel hatte stets eine Kante, aber nie nur eine Farbe.
Am stärksten zeigte sich das vielleicht in A Few Good Men. Nicholson ist dort nur in wenigen Szenen als Colonel Nathan R. Jessup zu sehen, und doch gilt seine Leistung als das Hauptgewicht des gesamten Films. In dem berühmten Gerichtssaal-Finale bricht Jessups selbstgerechte Wut hervor; genau dieser Ausbruch machte die Rolle Oscar-nominiert und unvergesslich. Es war ein kurzer Auftritt mit enormer Wirkung, der den Film bis heute definiert.
Der Reiz von Nicholson lag aber nicht nur in lauten Momenten. In As Good As It Gets spielte er 1997 Melvin Udall, einen misanthropischen Mann mit Zwangsstörung, ohne ihn zur Karikatur zu machen. Er arbeitete mit einem schnellen, defensiven Sprechton, der die Unsicherheit der Figur hörbar machte, statt sie bloß vorzuführen. Gerade darin lag seine Klasse: Nicholson spielte Extreme, aber er spielte sie mit Kontrolle.
Dass seine Bildsprache so schwer zu kopieren war, erklärt einen Teil seines Nachruhms. Die Karriere des Schauspielers umfasst den Übergang von den rebellischen Jahren des New Hollywood bis zu den großen Studiofilmen der 1990er und 2000er Jahre. Es gibt viele Stars, die Rollen besetzen konnten. Nicholson besetzte sie nicht nur, er übernahm den Raum, in dem sie stattfanden.
Die Frage hinter dieser Filmografie ist nicht, ob Jack Nicholson wichtig war. Sie ist längst beantwortet. Entscheidend ist vielmehr, wie selten ein Schauspieler mit zwölf Oscar-Nominierungen und drei Siegen über so viele Jahrzehnte eine so unverwechselbare Leinwandfigur bleiben konnte — und warum genau das bis heute nicht gelungen ist, jemand anderem nachzumachen.

