Nadia Murad läuft am Sonntag beim 33. Stuttgart-Lauf mit. Die Friedensnobelpreisträgerin will den Lauf nutzen, um auf sexualisierte Gewalt in Konflikten aufmerksam zu machen.
Murad, Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen gegen den Menschenhandel, sagte, sie widme seit mehr als zehn Jahren ihr Leben der Arbeit für Überlebende konfliktbezogener sexualisierter Gewalt, für Wiedergutmachung und für Gerechtigkeit. Gemeinsam mit dem Arzt Denis Mukwege wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Für Murad ist der Start in Stuttgart auch eine persönliche Sache. Sie sagt, Laufen sei für sie ein Weg, zu heilen, Kraft zu schöpfen und auf sich selbst zu achten. Sie sei nicht mit dem Laufen aufgewachsen, sagte sie. Wo sie herkomme, sei Sport nichts gewesen, was für Frauen und Mädchen vorgesehen war.
Wenn ihr Zeitplan es zulässt, läuft Murad regelmäßig. Das gebe ihr innere Ruhe, sagt sie. Gerade deshalb passt der Auftritt in Stuttgart zu einer Frau, die ihre eigene Geschichte seit dem Überfall des Islamischen Staates auf ihr Dorf Kodscho im Nordirak am 3. August 2014 in öffentliche Arbeit verwandelt hat.
Der IS ermordete damals Männer, rekrutierte Jungen zwangsweise und verschleppte, versklavte und vergewaltigte Frauen wie Murad. Eigentlich wollte sie zuvor in ihrer Heimat einen Schönheitssalon eröffnen. Seit dem Angriff setzt sie sich für die Befreiung von tausenden Gefangenen ein, die noch in den Händen des IS sind, und träumt davon, dass die Jesiden eines Tages in ihre alte Heimat zurückkehren können.
Der Lauf in Stuttgart ist damit mehr als ein sportlicher Termin. Er ist ein weiteres öffentliches Zeichen einer Überlebenden, die ihre eigene Geschichte seit Jahren in einen Auftrag für andere verwandelt hat.

