Als in Wien am Dienstag die 70. Ausgabe des Eurovision Song Contest mit dem ersten Halbfinale begann, trat Tschechien mit einem Namen an, den viele Fans bisher kaum kannten: Daniel Žižka. Der Sänger und Komponist vertritt sein Land mit dem Lied „Crossroads“.
Žižka schrieb den Titel selbst. Er sagte, das Stück habe etwa anderthalb Jahre gebraucht und sei am Klavier entstanden. Dabei sei ihm klar geworden, dass er ein Lied über Entscheidungen und Weggabelungen im Leben machen wolle. Dass er sich dafür ausgerechnet beim ESC bewerben würde, habe sich während des Schreibens ergeben. „Ich wollte schon immer versuchen, beim ESC anzutreten“, sagte er. „Und als ich das Lied schrieb, kam ich auf die Idee, dass ich mich gerade mit diesem Song bewerben könnte.“
Für Tschechien ist die Teilnahme ein weiterer Schritt in einem Wettbewerb, an dem das Land seit 2007 teilnimmt. Diesmal kam Žižka über das nationale Auswahlverfahren hinein. Ein internes Jurysystem entschied ihn aus rund 260 Einsendungen zum Sieger. Erst im Dezember erfuhr er, dass er Tschechien beim ESC vertreten würde. Danach durfte er drei Monate lang nichts sagen.
„Ich war unfassbar glücklich. Und natürlich war das auch ein großer Schock“, sagte Žižka über den Moment. Nur seine Eltern wussten Bescheid. Freunden habe er zwar gesagt, dass er sich beworben habe, doch dann habe er ausweichen müssen, wenn sie nachfragten. Er habe behauptet, noch nichts zu wissen und dass es wahrscheinlich nicht gut aussehe.
Der Sänger hat eine klassische Ausbildung hinter sich. Er studierte musikalischen Gesang am Jaroslav-Ježek-Konservatorium in Prag und belegt derzeit Popgesang und Komposition. Außerdem arbeitet er auch als Schauspieler. Genau diese Mischung aus Bühne, Stimme und Songwriting dürfte für den tschechischen Beitrag wichtig sein, weil „Crossroads“ nicht auf einen bloßen Auftrittseffekt setzt, sondern auf eine selbst geschriebene Nummer mit klarer Idee.
Unterstützung bekommt Žižka von Beobachtern, die ihn bereits live gesehen haben. Felix Häring sagte nach einer Pre-Party in Amsterdam, bei der 26 der 35 Acts des Jahres auftraten, Žižka habe zu den positiven Überraschungen gehört. „Er kann wirklich sehr, sehr gut singen“, sagte Häring. Er verwies zugleich darauf, dass die wieder eingeführten Jurys in den Halbfinals Tschechien wahrscheinlich helfen dürften, gerade weil Balladen davon profitieren könnten.
Das ist für esc tschechien 2026 mehr als ein freundlicher Zwischenruf. Tschechien schickt keinen etablierten Star mit großem Namen, sondern einen eher unbekannten Künstler aus der heimischen Szene nach Wien. Gleichzeitig setzt das Land auf einen Song, der aus langer Arbeit entstanden ist und thematisch über Orientierung und Entscheidung erzählt. Dass Žižka mit einer selbst geschriebenen Nummer durch ein stark besetztes Auswahlverfahren kam, macht den Auftritt in der österreichischen Hauptstadt zu einem der interessanteren tschechischen Beiträge der jüngeren ESC-Geschichte.
Am Donnerstagabend steht in Wien das zweite Halbfinale an. Dort entscheidet sich, ob Žižka mit „Crossroads“ den nächsten Schritt machen kann. Für Tschechien ist die Antwort vor allem eine der seltenen Chancen, mit einer Ballade und einem neuen Namen die nächste ESC-Runde zu erreichen.

