Ben Luis Wedjanu und Jonas Kimm sind 22 Jahre alt, kommen aus Bad Emstal und haben in Fritzlar ihre nächste Stufe gezündet. Das von ihnen gegründete Geschäft easybuy ist in eine neue Halle an der Waberner Straße gezogen, die rund 400 Quadratmeter groß ist.
Etwa die Hälfte der Halle dient als Lagerfläche. Dort lagern rund 10.000 verschiedene Artikel, acht Mitarbeiter arbeiten inzwischen für das Unternehmen, und täglich gehen nach Angaben des Betriebs 80 bis 100 Pakete hinaus. Für Wedjanu und Kimm ist das der sichtbare Abstand zu den Anfängen, als sie ihr Geschäft noch als Schüler aufbauten und ihre ersten Verkäufe mit gebrauchten Waren, später auch mit Videospielen von Flohmärkten, machten. Zuerst verkauften sie online über Kleinanzeigen, dann über Ebay.
Was heute wie ein kleines Versandunternehmen wirkt, begann in ihren eigenen Zimmern. Später richteten sie sich aus einem zu einem Büro umgebauten Container ein. Neben Videospielen nahmen sie Kleidung und gebrauchte Kameras ins Sortiment auf und arbeiteten nach der Schule und am Wochenende an dem Projekt weiter. Als der Umsatz wuchs, meldeten sie das Gewerbe noch minderjährig an. Dafür war ein familiengerichtliches Verfahren nötig, inklusive Geschäftsplan und einer Einschätzung der Schule. Wedjanu beschreibt den Weg knapp: „Das hat sich über Monate gezogen“.
Der Start war kein Sprint, sondern ein Lernprozess. Kimm sagte dazu: „Wir haben einfach ausprobiert, was funktioniert“. Aus dem Ausprobieren wurde ein belastbares Geschäftsmodell, gegründet unter dem Namen easybuy und über Jahre Schritt für Schritt ausgebaut. Heute macht Analogtechnik einen großen Teil des Geschäfts aus; auch Skylanders-Figuren aus der Kategorie „Toys to Life“ gehören zum Angebot. Eingehende Ware wird sortiert, getestet, gereinigt, fotografiert, beschrieben und ins System eingepflegt, bevor sie auf den eigenen Webseiten und auf Ebay landet.
Ein wichtiger Verkaufskanal für Kleidung fiel später weg. Danach stellten Wedjanu und Kimm stärker auf eigene Strukturen und Ebay um. Kimm fasste diesen Kurswechsel so zusammen: „Da mussten wir umdenken“. Genau darin liegt auch die Bedeutung des Umzugs nach Fritzlar: easybuy ist nicht mehr das Nebenprojekt zweier Schüler, sondern ein Betrieb mit eigener Halle, festem Team und klarer Routine. Ob die beiden 22-Jährigen den nächsten Sprung genauso gezielt schaffen wie die bisherigen, hängt nun weniger von Zufällen ab als von der Frage, wie weit sich ihr Modell über die neue Größe hinaus tragen lässt.

