Lieselotte Voß hat den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien gepilgert und am Ende den letzten Stempel in ihrem Pilgerausweis erhalten. Für die 25-Jährige war die Tour eine „unfassbar schöne und eine wahnsinnig herausfordernde Reise zugleich“. Sie sagte, sie habe unterwegs oft über Fragen wie „Was ist der Sinn?“ und „Warum bin ich hier?“ nachgedacht.
Voß traf nach eigenen Angaben viele Gleichgesinnte, die sich ebenfalls mit solchen Fragen beschäftigten. Abends habe man gemeinsam gekocht und dann in einem Raum geschlafen. Die Begegnungen hätten sie geprägt, sagte sie, weil man Menschen auf dem Weg schnell anders kennenlerne, als man sie zunächst einschätze. Gerade das habe sie auf dem Jakobsweg gelernt: sich nie nur auf den äußeren Eindruck zu verlassen.
„Ich habe auf dem Jakobsweg viel gelernt, nämlich dass man niemals von der äußeren Wahrnehmung eine Meinung haben sollte“, sagte Voß. „Und dass gerade die Leute, die vielleicht von außen am unzugänglichsten wirken, eine wichtige Geschichte hinter sich verstecken.“ Sie betonte auch, Offenheit sei wichtig. „Auf einmal geht man mit diesen Menschen in dieses Gespräch und vielleicht kann man sich anschließend auch selbst hinterfragen, wieso man diese Personen zuvor in eine Schublade gesteckt hatte“, sagte sie. Am Ende habe sie mit Menschen zusammengesessen, von denen sie nie gedacht hätte, dass man auf einer Wellenlänge sei.
Der Jakobsweg verlangt den Pilgern in der Regel Etappen von meist rund 20 Kilometern am Tag ab, oft mit wenig Komfort und Übernachtungen in Herbergen. Für Voß kam diese Erfahrung zu einer Zeit, in der sie beruflich längst fest im Fernsehen verankert ist: Seit ihrem neunten Lebensjahr ist sie Teil von TV-Produktionen, seit 2025 gehört sie fest zum Ensemble von „Der Bergdoktor“. Dort spielt sie Josephine „Josie“ Bachmeier, die Tochter von Karin Bachmeier und damit Teil des Umfelds von Bergdoktor Martin Gruber. Wegen einer Krankheit geht Josie auch mit Martin in Behandlung.
Voß ist unter anderem aus „Polizeiruf: 110“, „Tatort“, „Die Pfefferkörner“ und „Nord Nord Mord“ bekannt. Die Pilgerreise passt zu einer Schauspielerin, die eigenen Angaben zufolge gern reist und schnell unruhig wird, wenn sie zu lange nicht unterwegs war. Der Weg nach Santiago hat ihr nicht nur Ausdauer abverlangt, sondern auch ein genaueres Urteil über Menschen und die Bereitschaft, die eigene erste Einschätzung zu prüfen. Genau darin liegt auch die Antwort auf das, was sie dort suchte: Der Jakobsweg war für sie nicht bloß eine Reise, sondern ein Lernstück darüber, wie schnell Vorurteile fallen können, wenn man wirklich miteinander ins Gespräch kommt.
