Lesen: Friaul-julisch Venetien: Wie eine Brotlieferung zur Solidaritätsgeschichte wurde

Friaul-julisch Venetien: Wie eine Brotlieferung zur Solidaritätsgeschichte wurde

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Als am 6. Mai 1976 ein Erdbeben der Stärke 6,5 Friaul erschütterte, war die Not in Gemona del Friuli sofort messbar: 989 Menschen starben, Tausende verloren ihr Zuhause. Einen Tag später, am 7. Mai um 6:30 Uhr, kam aus Velden am Wörthersee das erste Brot an. Aus einer losen Bekanntschaft zwischen zwei Orten war in Stunden eine Hilfe geworden, an die sich bis heute Menschen erinnern.

weiß noch genau, wie sich diese Tage anfühlten. Sie und ihr Mann betrieben damals ein Café mit Bäckerei. In der Nacht nach dem Beben wurde weitergebacken, das Auto vollgeladen, und dann ging es nach Gemona del Friuli, um Brot zu verteilen. Die Dankbarkeit dort sei groß gewesen, sagte sie. Jahre später erlebte sie bei einem jüngsten Besuch eine Begegnung, die die Erinnerung noch einmal verdichtete: Eine Frau sagte ihr, sie habe als Kind mit ihrer Mutter Brot von ihr bekommen und könne es manchmal noch riechen, weil es damals noch warm gewesen sei.

Die Verbindung zwischen Gemona und Velden reicht weiter zurück als die Katastrophe selbst. Schon in den späten 1950er-Jahren gab es sehr enge Kontakte zwischen Velden am Wörthersee und Gemona in Friaul. beschrieb diese Phase als zunächst eher informelle Beziehungen von Privatpersonen, die gerne hinunterfuhren, gut aßen und tranken. Den Anstoß für eine Partnerschaft gab , der den damaligen Bürgermeister von Velden dafür gewann. Erst zum 50-jährigen Jubiläum 2008 wurde eine Partnerschaftsurkunde geschrieben und feierlich unterzeichnet; davor hatte es keine Charta gegeben.

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Das Beben von 1976 machte aus der lockeren Verbindung etwas Dauerhaftes. sagte, das erste Brot sei am 7. Mai um halb sieben Uhr früh aus Velden gekommen und habe nicht nur geholfen, sondern auch die Gewissheit gegeben, nicht allein zu sein. Der Dokumentarfilm über die Ereignisse beschreibt die Katastrophe zudem als Einschnitt, der den italienischen Zivilschutz und die Erdbebenforschung dauerhaft veränderte. In diesem Sinn war das Beben nicht nur eine regionale Tragödie, sondern auch eines der ersten großen europäischen Solidaritätszeichen nach dem Krieg.

Wie lebendig diese Erinnerung bleibt, zeigte auch ein Schulprojekt an der . Dort sammelten Schülerinnen und Schüler Augenzeugenberichte zum Erdbeben von 1976. sagte dazu, es sei für sie besonders interessant gewesen, mehr über die Erinnerungen der Zeitzeugen zu erfahren. Genau das hält die Geschichte von Gemona und Velden bis heute zusammen: nicht nur die offizielle Partnerschaft, sondern das Wissen, dass Hilfe damals sehr konkret begann — mit Brot, das warm ankam, und mit Menschen, die nicht warten wollten, bis jemand anderes handelt.

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