Heart of Midlothian geht mit einem Vorsprung von einem Punkt in das letzte Spiel der Saison und kann am Samstag bei Celtic erstmals seit 1960 wieder schottischer Meister werden. Das direkte Duell im Celtic Park ist die Entscheidung über die Liga escocia, die seit Jahren von den gleichen beiden Klubs geprägt wird.
Für Hearts wäre es ein Abschluss, der kaum größer ausfallen könnte. Der Klub gewann am Mittwoch mit 3:0 gegen Falkirk und hält damit den Druck auf Celtic hoch. Tony Bloom, der 29 Prozent des Kapitals an Heart of Midlothian besitzt und im Juni vergangenen Jahres 10 Millionen Pfund in den Verein investierte, sagte damals, er sehe sehr gute Chancen auf mindestens Platz zwei in dieser Saison.
Diese Aussicht wirkte lange ambitioniert, inzwischen ist sie Realität mit Titelpotenzial. Hearts hat vier Meisterschaften in seiner Geschichte gewonnen, die bislang letzte im Jahr 1960. Celtic dagegen holte den Meistertitel in den vergangenen vier Jahren allein und reist als Serienchampion ins direkte Duell, das die Saison auf eine einzige Partie verdichtet.
Die Zahlen unterstreichen, wie außergewöhnlich ein Erfolg von Hearts wäre. In den letzten 40 Jahren wurden die schottische Liga nur von Celtic und Rangers gewonnen; zusammen kommen sie auf 110 der bisherigen 129 Meisterschaften, jeweils 55 Titel. Seit 1996 wurde die gewohnte Reihenfolge, dass einer der beiden Großen Erster und der andere Zweiter wird, nur siebenmal durchbrochen, und in allen sieben Saisons stand Celtic am Ende vorn.
Genau deshalb trägt das Duell am Samstag mehr Gewicht als ein gewöhnlicher letzter Spieltag. Hearts hat die Tabelle seit Saisonbeginn angeführt und damit das alte Kräfteverhältnis bereits über Monate auf den Kopf gestellt. Doch die Mannschaft von Derek McInnes musste sich durch Verletzungen und aus ihrer Sicht benachteiligende Schiedsrichterentscheidungen kämpfen, was den Vorsprung immer wieder unter Druck setzte.
Der Ärger darüber sitzt tief. Nach dem 2:2 bei Motherwell im vorletzten Spieltag bekam Celtic in der 96. Minute nach einer VAR-Überprüfung einen Elfmeter zugesprochen, nachdem Sam Nicholson gegen Auston Trusty um den Ball gekämpft hatte. John Beaton sah sich die Szene am Bildschirm an, und die Entscheidung blieb in Edinburgh nicht ohne Nachhall.
McInnes brachte die Stimmung nach dem Spiel mit deutlichen Worten auf den Punkt: „Es ist widerlich. Wir sind an den Seilen, wir spielen gegen alle.“ Sein Team hat sich trotzdem an die Spitze gekämpft, getragen von einer Saison, die für Hearts schon jetzt historisch ist und am Samstag noch größer werden kann.
Für Celtic ist es die letzte Chance, eine Saison zu retten, die an den Rand einer seltenen Verschiebung im schottischen Fußball geraten ist. Für Hearts ist es der Tag, an dem ein Klub mit vier Meistertiteln und der Last von 1960 plötzlich wieder ganz nah an einem Traum ist, den in Schottland seit Jahrzehnten fast nur die großen Namen für sich beansprucht haben.

