Schon vor dem Thüringenderby zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und dem FC Rot-Weiss Erfurt war die Polizei am Sonnabend in Jena gefordert. Mit einem Großaufgebot sicherte sie zwei Züge der verfeindeten Fanszenen ab, während sich am Westbahnhof und später in der Innenstadt mehrere Tausend Anhänger bewegten. Die Lage blieb bei der Erfurter Demonstration zwar ruhig, in Jena kam es beim Fanmarsch aber zu Pyrotechnik und weiteren Ermittlungen.
Die Erfurter Fans reisten mit 730 Personen zum Westbahnhof an und hielten dort eine Auftaktkundgebung ab. Ihr Protest richtete sich gegen die Stadt Jena, die für das Thüringenderby eine Sicherheitsauflage angeordnet und nur 800 Plätze im Gästeblock freigegeben hatte. Rot-Weiß Erfurt verzichtete daraufhin auf die Abnahme des Kontingentes. Die Ultras aus Erfurt zogen ihre Demo trotzdem durch und beendeten sie schon in der Kahlaischen Straße, während sie sich bereits wieder auf dem Rückweg nach Erfurt befanden.
Auf der anderen Seite hatten die Jena-Fans zwar keine Demonstration angemeldet, aber zu einem Fanmarsch aufgerufen. Sie versammelten sich am Vormittag am Johannisplatz. Vor der Goethe Galerie sperrten zehn Mannschaftswagen den Weg und den Blick in Richtung der Erfurter Kundgebung, die fast zeitgleich am Engelplatz stattfand. Dort unterstützten die Jena-Fans das Anliegen der Erfurter und forderten auf einem Transparent Bürgermeister Benjamin Koppe (CDU) auf, „die Blöcke freizugeben“. Zugleich zeigten sie ihre Abneigung gegenüber der Polizei.
Die Polizei gab den Weg für den Fanmarsch vor. Er zog über den Holzmarkt in Richtung Paradiesbahnhof und von dort über die Paradiesbrücke weiter zum Stadion. Zwischenzeitlich wurden aus der Gruppe heraus pyrotechnische Erzeugnisse gezündet. Nach Einschätzung der Polizei beteiligten sich rund 2000 Jenaer Anhänger an dem Zug. Polizeisprecherin Sina Poser sagte, es gebe eine Anzeige wegen Beleidigung gegen den Bürgermeister der Stadt. Außerdem ermittelt die Polizei wegen diverser Verstöße mit Pyrotechnik. Die Erfurter Demo verlief nach Angaben der Polizei ohne Vorkommnisse.
Der Sonnabend zeigte einmal mehr, wie wenig Raum an einem Derby-Tag für Zufall bleibt. Die Sicherheitsauflage mit den 800 Gästeblock-Plätzen, der Verzicht von Rot-Weiß Erfurt auf das Kontingent und die parallelen Aktionen beider Fanlager machten die Innenstadt zum Schauplatz eines eng überwachten Kräfteringens, das die Polizei nur mit starkem Aufgebot kontrollieren konnte.

