Markus Elbs reitet seit 40 Jahren beim Blutritt in Weingarten mit. An diesem Blutfreitag steht er wieder vor dem Morgengrauen auf, zusammen mit seiner Tochter Hannah und seinem Sohn Simon. Für die Familie aus Baindt ist das kein Termin im Kalender, sondern ein festes Ritual.
Um 2:30 Uhr müssen die drei aus dem Bett. Gegen 3:30 Uhr kommen weitere Reiterinnen und Reiter auf den Elbschen Hof, darunter die Baindter Bürgermeisterin Simone Rürup. Nach einem kurzen Frühstück geht es um 5 Uhr los. Die Blutreitergruppe Baindt legt die sechs Kilometer nach Weingarten zurück, ehe die 50-köpfige Reitergruppe mit Blaskapelle um 6 Uhr früh in der Stadt einzieht.
Markus Elbs, der aus Baindt im Kreis Ravensburg stammt, sagt, schon sein Vater und dessen Vater seien mitgeritten. Sein Vater habe erwartet, dass auch die Kinder einst dabei seien, wenn sie alt genug würden. „Wenn man das morgens schon sieht und Kreuzzeichen macht, da freut man sich das komplette Jahr drauf“, sagt Elbs. Und über den Moment, in dem die Prozession anläuft, sagt er: „Da kriege man wirklich Gänsehaut.“
Simon ist 18 Jahre alt und reitet seit seinem fünften Lebensjahr mit. Hannah ist 13 und dabei, seit sie acht ist. Vor dem Aufbruch hilft sie auf dem Hof mit und bürstet das Fell von Blacks, einem der Blutrittpferde. „Ich schaue mal, dass die Sättel schon alle geputzt sind und die Trensen sauber sind“, sagt sie. Dass die Kinder mitziehen, ist für die Familie längst selbstverständlich geworden.
Um 7 Uhr wird auf dem Weingartner Martinsberg mit Basilika und Klosteranlage die goldene Reliquie an den Heilig-Blut-Reiter übergeben. Das mit Edelsteinen besetzte goldene Gefäß in Kreuzform soll einen Blutstropfen Jesu Christi enthalten. Bei der dreistündigen Reiterprozession segnet der Heilig-Blut-Reiter Menschen, Tiere, Häuser und die Natur.
Der Blutritt in Weingarten ist eine jahrhundertealte Tradition, und die Elbs sehen ihre Teilnahme als generationsübergreifende Familientradition. Gerade darin liegt die Kraft dieses Tages: Er bindet eine Familie über Jahrzehnte zusammen und hält ein religiöses Ritual lebendig, das für die Beteiligten jedes Jahr aufs Neue beginnt, noch bevor die Sonne aufgeht.
