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Deutscher ärztetag: Medizinstudentinnen berichten von Belästigung in Hannover

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Beim Deutschen Ärztetag in Hannover haben Medizinstudentinnen am Freitag berichtet, während des dreitägigen Treffens von Kollegen sexuell belästigt worden zu sein. Ihre Rede löste eine Debatte über Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Gesundheitswesen aus.

Die Studentinnen schilderten Kommentare über ihr Äußeres, über Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen. Sie sagten, sie wollten mit ihrem Vortrag zeigen, dass es sich um ein strukturelles Problem in der Branche handele und die Vorfälle keine Einzelfälle seien.

Das Publikum reagierte nach der Rede mit Applaus und Standing Ovations. Für viele im Saal fiel der Zeitpunkt der Debatte nicht zufällig mit einer jüngst viel beachteten Umfrage des Marburger Bundes zusammen, die sexueller Belästigung unter Klinikärzten in Niedersachsen nachging. In der Befragung von 1.100 Ärzten gaben elf Prozent der Klinikärztinnen und -ärzte an, in den vergangenen zwölf Monaten sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt zu haben.

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sagte am Freitag nach der Debatte, sie sei „tief erschüttert und sprachlos“. Es sei „absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert“, sagte sie weiter. Sexuelle Belästigungen und körperliche Übergriffe passten nicht zum ärztlichen Berufsethos, betonte Renneberg.

Die Reaktion der Ärztespitze zeigt, dass das Thema den Verband nicht mehr nur am Rand beschäftigt. Renneberg kündigte an, dass Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung Kernthemen beim Ärztetag im kommenden Jahr werden. Das Treffen in Hannover endete am Freitag damit nicht mit einem Abwarten, sondern mit der Zusage, dass die Debatte auf die nächste Runde im Verband direkt mitgenommen wird.

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