Hansa Rostock steht am letzten Spieltag der 3. Liga vor einer Mission Impossible. Der Klub muss am Samstag um 13.30 Uhr beim 15. der Tabelle, dem 1. FC Saarbrücken, gewinnen, wenn er sich überhaupt noch eine Chance auf den Relegationsplatz offenhalten will.
Doch selbst ein Sieg in Saarbrücken würde nicht reichen. Damit Hansa auf Platz drei springt, müsste zugleich MSV Duisburg zu Hause gegen Viktoria Köln verlieren und Rot-Weiß Essen auswärts beim SSV Ulm ebenfalls leer ausgehen. Nur dann würde Rostock bei einem möglichen Drei-Punkte-Gleichstand mit Duisburg und Essen dank der besseren Tordifferenz noch vorbeiziehen.
Die Ausgangslage ist klar, und sie ist brutal. Hansa hat sich den Druck selbst vergrößert, weil die Mannschaft in den vergangenen zwei oder drei Wochen Punkte liegen ließ: erst mit einem 0:0 beim Tabellenletzten Schweinfurt, dann mit der 2:5-Heimniederlage gegen Regensburg. „Wir haben es einfach in den letzten zwei, drei Wochen verkackt. Deshalb sind wir gerade in der Position“, sagte Franz Pfanne. Der 31-Jährige machte zugleich klar, dass Rostock in Saarbrücken nicht vorsichtig antritt: „Wir haben nichts mehr zu verlieren und werden volle Kanne in Saarbrücken auftreten. Wir sind da, wenn die anderen nicht da sind. Das können wir versprechen.“
Gerade dieser letzte Satz trifft den Kern des Rostocker Restprogramms. Hansa muss das eigene Spiel liefern und gleichzeitig auf zwei andere Plätze der Liga schauen. Es ist eine Konstellation, in der ein Team gewinnen, zwei andere verlieren und am Ende auch noch die Mathematik stimmen muss. Für einen Klub, der zuletzt schon vor einem Jahr nahe an einer späten Rettungslösung war und damals mit 1:2 bei Hannover 96 II verlor, ist das die nächste Prüfung an einem letzten Spieltag.
Rostock hat solche Tage allerdings schon einmal erlebt. Am 29. Mai 1999 drehte Hansa ein 1:2 beim VfL Bochum noch in ein 3:2, als Viktor Agali in der 77. Minute und Slawomir Majak in der 83. Minute trafen. Damals fiel die Entscheidung um die Bundesliga-Zugehörigkeit erst ganz spät, 1. FC Nürnberg stieg am Ende ab. Es war der letzte große Rostocker Endspiel-Moment dieser Art, 27 Jahre ist das her. Dass Hansa nun erneut auf einen letzten, fast unwahrscheinlichen Schlussspurt hoffen muss, passt zu diesem Verein wie wenig anderes.
Diesmal aber ist die Rechnung noch schärfer. Ein Sieg in Saarbrücken allein bringt nichts, wenn Duisburg und Essen nicht mitspielen. Drei Punkte sind Pflicht, zwei Tabellenplätze müssen fallen, und am Ende zählen nicht nur Nerven, sondern auch die Tordifferenz. Für Hansa ist das der kleinste mögliche Spielraum für die größte denkbare Hoffnung. Für Saarbrücken ist es ein normales Heimspiel. Für Rostock ist es die letzte Tür.
Und wenn die Tabelle sich doch noch zugunsten der Rostocker verschiebt, dann wäre es kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Tages, an dem Hansa endlich wieder genau im richtigen Moment da war.
