Wiener Erzbischof Josef Grünwidl führt derzeit klärende Gespräche mit Toni Faber in der „Causa Prima“. Der Dompfarrer zu St. Stephan steht damit erneut im Mittelpunkt einer Debatte, die weit über Wien hinausreicht.
Faber ist seit Jahren eine der schillerndsten Figuren der katholischen Kirche in Österreich. Er hat Homosexuelle und Boutiquen gesegnet, „Beichten auf Rädern“ eingeführt, bei Trauerfeiern für viele Verstorbene mit außergewöhnlichen Ansprachen geglänzt und beim Opernball „mit seiner Natalie“ getanzt. Er hat auch öffentlich „Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Zölibats“ geäußert.
Gerade diese Mischung aus Nähe, Inszenierung und Regelbruch macht ihn für viele Gläubige sichtbar, für andere aber schwer erträglich. Der Text zeichnet Faber als farbigen und provokanten Geistlichen, der immer wieder Grenzen überschreitet und sich mit seiner öffentlichen Präsenz deutlich von vielen anderen Priestern abhebt.
Das fällt auch in eine kirchliche Stimmung, in der das Zölibat längst nicht mehr von allen Klerikern als unantastbar gesehen wird. Die Auseinandersetzung um Faber ist deshalb mehr als eine Personalfrage: Sie berührt die Frage, wie viel Eigenwilligkeit die Kirche in ihren Reihen dulden will und wie weit sie jemanden tragen kann, der für manche längst zum Publikumsliebling geworden ist.
Zum Gewicht dieser Debatte gehört auch eine Zahl, die in dem Zusammenhang genannt wird: In den vergangenen 30 Jahren sind 1500 Menschen in die Kirche zurückgekehrt. Der Text bezeichnet das als einen rekordhaften Wert ohne Vorbild. Faber steht damit nicht nur für Streit, sondern auch für eine Wirkung, die sich an konkreten Rückkehrern messen lässt.
Offen bleibt nun, wie weit Grünwidl in den Gesprächen geht und welche Konsequenzen aus der „Causa Prima“ gezogen werden. Für Faber hängt daran mehr als ein weiterer öffentlicher Schlagabtausch: Es geht um die Grenze zwischen kirchlicher Duldung und dem Punkt, an dem selbst ein außergewöhnlich sichtbarer Dompfarrer nicht mehr einfach weitermachen kann.
