FC Bayern hat das DFB-Pokalfinale der Frauen im Rheinenergiestadion in Köln mit 4:0 gegen den VfL Wolfsburg gewonnen und damit das Double aus Meisterschaft und Pokal verteidigt. Kurz nach dem Abpfiff ging es aber nicht nur um den deutlichen Titelgewinn, sondern auch um die Art, wie das Spiel im Fernsehen begleitet wurde.
Lisa Weiß, die frühere Wolfsburger Torhüterin, machte ihrer Kritik in einer Instagram-Story Luft. Die 38-Jährige nannte die Berichterstattung des ZDF ein „Armutszeugnis für den Frauenfußball in Deutschland“ und störte sich vor allem an einem 20-minütigen Vorlauf vor dem Spiel sowie daran, dass die Übertragung Sekunden nach der Pokalübergabe endete. Statt weiterer Bilder aus Köln zeigte der Sender danach einen Beitrag über US-Soccer. Weiß schrieb zudem: „Tut mir leid, liebes ZDF, das ist eines Endspiels nicht würdig und habe ich beim DFB-Pokal der Männer noch nie erlebt“.
Weiß spricht nicht als Außenstehende. Die ehemalige deutsche Nationaltorhüterin spielte zwei Jahre für Wolfsburg, gewann dort eine Meisterschaft und zwei Pokale und beendete ihre Laufbahn 2023. Sie stand auch für Aston Villa, Olympique Lyon und SGS Essen auf dem Platz, kam auf vier Einsätze für die Nationalmannschaft und gehörte 2009 zum deutschen Kader bei der Europameisterschaft in Finnland, die Deutschland gewann, auch wenn sie dort nicht zum Einsatz kam. Heute arbeitet sie als Koordinatorin für Mädchen- und Frauenfußball bei Fortuna Düsseldorf.
Der Vorwurf trifft einen Punkt, der über ein einzelnes Finale hinausgeht: Es geht um Sichtbarkeit und um den Maßstab, an dem Frauenfußball im deutschen Fernsehen gemessen wird. Wenn ein Endspiel nach einem klaren Titelgewinn sofort aus dem Programm fällt, während an anderer Stelle noch gesendet wird, wirkt das für viele wie ein Signal, dass der Wettbewerb nicht denselben Stellenwert bekommt wie andere große Partien.
Für Bayern war der Abend sportlich ein Statement, für Wolfsburg ein deutlicher Dämpfer. Für die Debatte um die Behandlung des Frauenfußballs dürfte die Auseinandersetzung um diese Übertragung aber länger nachwirken als die 4:0-Tore von Köln.

