In der deutschen Automobilindustrie könnten nach einer neuen Warnung des Verbands der Autoindustrie bis 2035 weitere 125.000 Arbeitsplätze wegfallen. Der Verband rechnet zugleich damit, dass davon zusätzlich 35.000 Jobs verloren gehen und sich der Nettoverlust in der Branche auf insgesamt 225.000 Autoarbeitsplätze summiert.
Seit 2024 sind in der Autobranche in Deutschland bereits rund 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Vor zwei Jahren war noch angenommen worden, dass weitere 90.000 Stellen auf dem Spiel stehen würden. Der aktuelle Befund des VDA fällt damit deutlich härter aus als frühere Erwartungen.
Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit dem Umstieg von Verbrennungsmotoren auf E-Autos. Der Verband verweist darauf, dass die neuen Antriebe weniger Teile benötigen und deshalb weniger Beschäftigung in der Fertigung binden. Besonders betroffen sind nach Angaben des Verbands die Zulieferbetriebe, bei denen der Druck durch den Strukturwandel besonders stark spürbar ist.
Hintergrund der neuen Rechnung ist eine Prognos-Analyse aus dem Jahr 2024. Sie setzte den Höchststand der Beschäftigung in der deutschen Autoindustrie 2019 bei 911.000 Beschäftigten an. Bis 2023 waren laut dieser Analyse 75.000 Arbeitsplätze weggefallen und rund 29.000 neue entstanden, was einem Nettoverlust von rund 46.000 Stellen entsprach. Bei einer Fortschreibung bis 2035 kam der VDA zuvor auf 300.000 verlorene und 110.000 neu entstandene Arbeitsplätze, also einen Nettoverlust von 190.000 Stellen. Nun liegt die Schätzung für den Nettoverlust noch einmal höher.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller macht vor allem die Standortbedingungen in Deutschland und Europa für die Lage mitverantwortlich. Sie nennt hohe Steuern und Abgaben, teure Energie, hohe Lohnkosten und überbordende Bürokratie als Gründe. „Die Unternehmen müssen sich leider aus wirtschaftlichen Gründen täglich zu oft gegen den Standort Deutschland und Europa entscheiden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die übrige Beschäftigung im Land zu halten“, sagte Müller. Sie warnte zudem: „Das Abwandern von Investitionen und Beschäftigung wird nicht ohne Konsequenzen für den Wohlstand unseres Landes und für dessen gesellschaftliche und politische Stabilität bleiben.“
Der Verband fordert deshalb ein investitions- und innovationsfreundliches Umfeld. Müller sagte: „Alles, was Wachstum schafft, muss oberste Priorität haben in Brüssel und Berlin.“ Für die Branche steht damit nicht nur die Frage im Raum, wie der Umbau zur Elektromobilität gelingt, sondern auch, ob Deutschland als Produktionsstandort schnell genug gegensteuern kann, um den Verlust weiterer Arbeitsplätze zu bremsen.
