Harrison Ford stand am 11. Mai im Mountain America Stadium vor den Absolventen der Arizona State University und machte ihnen zuerst klar, dass es ihr Tag sei. „This is your time“, sagte er bei der Undergraduate-Commencement-Zeremonie. Danach nahm die Universität den Schauspieler mit einer Ehrendoktorwürde in Arts and Humane Letters auf, allerdings nicht für seine Filmrollen, sondern für sein jahrzehntelanges Engagement im Naturschutz.
Ford sagte den Absolventen, sie hätten etwas Bedeutendes erreicht. „You’re here because you have accomplished something significant“, sagte er. Die Auszeichnung passte zu seinem öffentlichen Wirken: Ford sitzt seit 1991 im Vorstand von Conservation International und ist dort das am längsten dienende Mitglied. ASU hob genau diese Arbeit hervor und stellte sie in den Mittelpunkt des Abends, nicht die Karriere, die ihn weltberühmt machte.
Der Auftritt kam an einem Tag, an dem Ford nicht wie ein Filmstar sprach, sondern wie jemand, der den Umweg kennt. Er erzählte, dass er am College keine guten Entscheidungen getroffen habe. In seinem Juniorjahr, sagte er, sei er notenmäßig „in real trouble“ gewesen. Er habe einen Kurs namens „Drama: The Study of Plays“ belegt, zunächst nur aus Neugier. Auf der Bühne, beim Spielen anderer Menschen, habe er begonnen, sich selbst zu finden. Für den Kurs bekam er ein A, und aus dem, was als Nebenweg begann, wurde sein Theater- und Schauspielleben.
Die Wendung in seiner Geschichte lag nicht in einem plötzlichen Erfolg, sondern in Geduld. Ford sagte, er habe seine wachsende Familie etwa 15 Jahre lang mit Tischlerarbeiten unterstützt und in dieser Zeit nur vier oder fünf Schauspieljobs angenommen. Dann, sagte er, habe sich alles zusammengerechnet und er habe Star Wars bekommen. Es war eine Erinnerung daran, dass Karrieren selten sauber verlaufen und dass die Dinge, die zunächst wie Umwege wirken, später den Weg bestimmen können.
Doch Ford beließ es nicht bei Selbstironie und Rückblick. Er sagte auch, dass Leidenschaft und Zweck nicht dasselbe seien. Leidenschaft bringe Freude, Zweck bringe Sinn. Für die Absolventen war das der eigentliche Kern seiner Rede: nicht nur das, was man gern tut, sondern das, was man mit seinem Tun für andere erreicht. In Fords Fall ist das heute der Naturschutz, nicht der Ruhm. Und genau deshalb ehrte ASU ihn an diesem Abend in Tempe mit einer Auszeichnung, die seine Arbeit für Gemeinschaften und Umwelt würdigte, während die neuen Absolventen ihren eigenen nächsten Schritt machten.

