Auf Gut Birkenmoor in Schleswig-Holstein klingelte außerhalb der Erdbeersaison früher oft jemand an der Haustür. Heute läuft der Verkauf auch dann weiter, wenn das Hofcafé längst zu ist. Kathrin Abel-Brauns stellte vor etwa acht Jahren einen Kühlautomaten auf, in dem seither rund um die Uhr Marmelade und Getränke gekauft werden können.
Was als praktische Lösung für ein einzelnes Gut begann, ist inzwischen in Schleswig-Holstein zu einem kleinen Vertriebsmodell geworden. Hofautomaten werden dort immer beliebter, vor allem im Umland größerer Städte. In den vergangenen fünf Jahren sind besonders viele solcher Automaten hinzugekommen. Nach Einschätzung von Gutes vom Hof nutzen inzwischen etwa 15 bis 20 Prozent der Direktvermarkter Hofautomaten als Ergänzung zum klassischen Hofladen.
Abel-Brauns sagt, der Automat habe eine Lücke geschlossen, die sich im Alltag immer wieder gezeigt habe. „Außerhalb der Saison wurde dann immer an der Haustür geklingelt, ob es noch Marmelade gibt“, sagte sie über die Zeit, als sie auf Gut Birkenmoor ursprünglich nur während der Erdbeersaison Erdbeermarmelade im Hofcafé verkaufte. Inzwischen können Kunden dort auch außerhalb der Öffnungszeiten zugreifen, ohne erst einen Termin oder einen Hofladenbesuch einplanen zu müssen.
Besonders gefragt sind Produkte des täglichen Bedarfs wie Eier, Käse oder verarbeitete Waren wie Fruchtaufstriche und Liköre. Grillfleisch- oder Erdbeerautomaten laufen gerade jetzt sehr gut. An manchen Standorten gibt es nur Milch oder Eier, an anderen stehen Lebensmittel des täglichen Bedarfs, Getränke und Snacks bereit. Es gibt sogar Hofautomaten mit frischen Blumensträußen. Auf Gut Birkenmoor kostet der Erdbeer-Fruchtaufstrich in Bio-Qualität 3,90 Euro, die Preise entsprechen in der Regel denen im Hofladen.
Der Trend folgt einem einfachen Gedanken: Nahversorgung muss nicht immer in einer klassischen Ladenöffnung enden. Viele Automaten sind rund um die Uhr zugänglich und machen regionale Spezialitäten jederzeit verfügbar. Die meisten dieser Anlagen werden von Landwirten und Schlachtereien betrieben. Für die Betriebe ist das nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern auch eine zusätzliche Möglichkeit, Waren direkt an Kunden zu bringen, die am Abend, am Wochenende oder auf dem Heimweg noch etwas mitnehmen wollen.
Die Technik ist allerdings kein Selbstläufer. Für Hofautomaten gelten klare hygienische Vorgaben. Zuständige in den Betrieben absolvieren Hygieneschulungen und warten ihre Automaten regelmäßig. Das gilt besonders dort, wo Milch- und Fleischprodukte verkauft werden, weil die Kühlkette eingehalten werden muss. Laura Stange fasst den Markt so zusammen: „Nach Einschätzung von Gutes vom Hof (Direktvermarktungs-Portal für Schleswig-Holstein) nutzen inzwischen etwa 15 bis 20 Prozent der Direktvermarkter Hofautomaten als Ergänzung zum klassischen Hofladen“.
Auch die Kosten bleiben ein Thema. Je nach Modell liegen sie bei 7.000 bis 15.000 Euro, doch Landwirtinnen und Landwirte können die Anschaffung zum Teil über Förderprogramme der AktivRegion finanzieren. Abel-Brauns sagt, sie habe mit solchen Programmen schätzungsweise rund 80 Prozent der Kosten für ihre Automaten gestemmt. Bei ihrem Automaten wird aus Sicherheitsgründen ausschließlich per Karte bezahlt.
Dass das Modell trotzdem nicht überall trägt, zeigt die andere Seite des Booms. Die Landwirtschaftskammer weist darauf hin, dass in sehr ländlichen Regionen bereits Automaten wieder abgebaut wurden, weil sie sich wirtschaftlich nicht gelohnt haben. Hofautomaten sind damit kein Ersatz für jeden Hofladen, aber für viele Betriebe in Schleswig-Holstein ein zweiter Weg zu Kunden, die regionale Produkte nicht nur am Wochenende kaufen wollen.
