Nebius legt am Mittwoch vor Börsenbeginn seine Zahlen für das erste Quartal 2026 vor. Um 14.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit folgt die Telefonkonferenz, in der Anleger vor allem wissen wollen, ob der rasante Ausbau des KI-Infrastrukturgeschäfts schon genug Umsatz bringt.
Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt und binnen eines Jahres etwa versechsfacht. Trotzdem wird das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 364 gehandelt, weit über dem Fünfjahresmittel von 27,81 und ohne jeden Puffer, falls das Wachstum langsamer ausfällt als erhofft.
Auch beim Kurs-Buch-Verhältnis ist der Abstand zur Branche groß. Nebius kommt auf 9,75, der Sektordurchschnitt liegt bei 3,9. Die Bewertung spiegelt damit nicht nur die derzeitige Nachfrage wider, sondern auch die Erwartung, dass das Unternehmen seine aggressive Expansion in harte Erlöse umsetzen kann.
Genau daran werden sich die kommenden Ergebnisse messen lassen. In der vierten Quartalsperiode 2025 meldete Nebius einen Umsatz von 227,7 Millionen Dollar, einen Nettoverlust von 249,6 Millionen Dollar und Investitionen von 2,1 Milliarden Dollar. Für das erste Quartal 2026 erwarten Analysten erneut einen Verlust, die Schätzungen für das Ergebnis je Aktie liegen im Minus bei 73 bis 81 Cent, während der Umsatz auf 317 Millionen bis 374 Millionen Dollar geschätzt wird.
Der Vergleich mit dem Vorjahresquartal zeigt, wie schnell das Geschäft gewachsen ist. Im ersten Quartal 2025 lag der Umsatz bei etwas mehr als 55 Millionen Dollar. Zugleich hat Nebius den Ausbau der Infrastruktur beschleunigt: Ende 2024 betrieb das Unternehmen zwei Rechenzentren, Ende 2025 waren es sieben, und bis Ende 2026 sollen es 16 Standorte sein.
Dieses Tempo ist teuer. Nebius plant für 2026 Investitionen zwischen 16 Milliarden und 20 Milliarden Dollar und will rund 60 Prozent davon über vertraglich gesicherte Finanzierung stemmen. Zusätzliche Flexibilität verschafft eine Wandelanleihe über 4,34 Milliarden Dollar. Gleichzeitig soll der wiederkehrende Jahresumsatz bis zum Jahresende auf 7 Milliarden bis 9 Milliarden Dollar steigen.
Die großen Anker auf der Nachfrageseite bleiben Microsoft und Meta. Anleger wollen deshalb bei der Konferenz nicht nur aktuelle Zahlen hören, sondern auch konkrete Updates zu den Projekten mit beiden Konzernen sowie zum Zeitplan für die Integration von Eigen AI, dessen Übernahme die Plattform stärken soll. Für die Bewertung ist das entscheidend, weil der Markt bei Nebius längst nicht mehr nur auf Wachstum schaut, sondern auf Auslastung, Umsatzwandlung und Margen.
Das ist auch der Punkt, den Analysten zuletzt hervorgehoben haben. Wolfe Research nahm im April mit einem „Peer Perform“-Rating und ohne Kursziel die Beobachtung auf und nannte einen fairen Wert von 80 bis 170 Dollar. Bank of America stellte die Frage, ob die hohen Investitionen bereits in Umsatz und Nutzung umschlagen und ob der Margendruck zunimmt. Nach den jüngsten Ergebnissen von CoreWeave ist klar: Schnelles Wachstum allein genügt nicht mehr, wenn die Kosten noch schneller steigen.
Für Nebius wird der Mittwoch damit zu mehr als einem weiteren Quartalsbericht. Die Zahlen müssen zeigen, ob der Börsenliebling der KI-Infrastruktur auch bei einer Bewertung auf Spitzeniveau liefern kann. Gelingt das nicht, wird der Markt das Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht mehr als Zeichen von Hoffnung lesen, sondern als Preis für Erwartungen, die sehr viel schneller gewachsen sind als der Gewinn.

