Maximilian Brückner spielt Wiggerl in David Dietls neuem Film „Ein Münchner im Himmel - der Tod ist erst der Anfang“. Der titelgebende Münchner ist darin kein Grantler, sondern ein ewiger Stenz: ein Taxi-Fahrer, Bonvivant, Charmeur und Schlitzohr, das erst in einem Hotelzimmer in flagranti ertappt wird, dann barfuß in kurzer Lederhose flieht und später bei einem Autounfall stirbt.
In dem Abendfilm landet Wiggerl nach seinem Tod im Himmel und ruft dort „Halleluja“. Von da an entfernt sich Dietl weit von Ludwig Thomas Vorlage, der kurzen Geschichte „Der Münchner im Himmel“, die man in weniger als zehn Minuten vorlesen kann. Der Film verlegt die Handlung in einen barocken bayerischen Himmel und mischt Motive aus mehreren Kultklassikern des Freistaats zu einem neuen Ganzen.
Das ist kein bloßes Nachspielen eines bekannten Stoffes, sondern eine freie Weitererzählung mit großem Radius. Die neue Version knüpft an andere bayerische Stoffe an und könnte sogar als Kulisse für eine neue „Brandner-Kaspar“-Adaption dienen. Wiggerl Brunner, gespielt von Brückner, ist dabei als Münchner Casanova nach dem Vorbild von Monaco Franze angelegt, nicht als der bekannte grantelnde Himmel-Figur aus Thomas Werk.
Gerade dieser Bruch trägt den Film. Wiggerl bekommt eine Tochter im Teenageralter, um die er sich zu wenig gekümmert hat, und darf für einen göttlichen Auftrag noch einmal auf die Erde zurück. Dort versucht er, etwas nachzuholen, was ihm im Leben entglitten ist. Auch zu seinem Vater findet er zurück; die Rolle spielt Heiner Lauterbach. Als Ex-Partnerin ist Hannah Herzsprung zu sehen.
Die Spannung liegt damit weniger im Wiedererkennen als im Umbauen. Wer Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“ kennt, kennt eine sehr kurze Satire um Alois Hingerl, der nach einem Schlaganfall als Engel neu sortieren muss. Viele kennen den Stoff außerdem durch Adolf Gondrells berühmte Rezitation und durch die Trickfilmfassung von 1962, in der die Figur als rotbackiger Zeichentrickengel mit Dienstmütze und weißem Engelshemd erschien. Dietls Film setzt dagegen auf Größe, Tempo und eine Mischung aus bayerischen Kultmotiven, die den alten Stoff nur noch als Ausgangspunkt nehmen.
Berichtet wurde über den Film am 12.05.2026 um 07:42 Uhr bei Bayern 2 in „Die Welt am Morgen“. Für das Kino München ist das eine der seltenen Arbeiten, die nicht nur eine bekannte Vorlage neu beleben wollen, sondern sie sichtbar gegen ihre eigene Herkunft drehen. Ob das Publikum am Ende eher den alten Himmel wiedererkennt oder einen völlig neuen, hängt davon ab, wie viel bayerische Legende diese Mischung aus Stenz, Vatergeschichte und Jenseitskomödie wirklich tragen kann.
