In Würzburg hat am Mittwochabend der 104. Deutsche Katholikentag begonnen. Trotz Regen kamen rund 9.000 Besucher auf den Residenzplatz, als Frank-Walter Steinmeier und die Organisatoren den Auftakt unter das Motto „Hab Mut, steh auf!“ stellten.
Steinmeier rief dazu auf, mehr Zuversicht zu zeigen und sich stärker einzubringen. „Wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden“, sagte der Bundespräsident. Er fügte hinzu: „Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt.“
Der Auftakt fiel in eine Zeit, in der die Veranstalter die Stimmung im Land als belastet beschreiben: Krieg, Armut, Ungerechtigkeit, Hass, Lügen und gesellschaftliche Spaltung prägten die Ansprachen. Irme Stetter-Karp warnte, diese Entwicklungen nähmen in Deutschland zu, und sagte, das Motto solle Menschen ermutigen, aktivieren und verändern. „Aufstehen müssen wir für unsere Demokratie“, sagte sie vor den Gästen in Würzburg. Sie forderte zugleich besseren Schutz des Lebens von Anfang bis Ende und stellte sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und jede Form der Entmenschlichung.
Auch der ökumenische Gedanke zog sich durch den Abend. Steinmeier warb für ein engeres Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Kirche und rief: „Mehr Ökumene wagen!“ Mit Blick auf das Ende seiner zweiten und letzten Amtszeit im März 2027 bekam der Satz zusätzliches Gewicht. Würzburgs Bischof Franz Jung sagte, die Welt brauche nicht noch mehr Hoffnungslosigkeit, und Heiner Wilmer warb für mehr Optimismus und Zuversicht. Die Kirchen wollten Brückenbauer und Orte der Begegnung und des Austauschs sein, sagte Wilmer.
Der Start des Katholikentags macht damit vor allem eines deutlich: Die Kirchen wollen sich in Würzburg nicht mit klagenden Tönen begnügen, sondern mit einem Signal der Beteiligung und des Zusammenhalts auftreten. Ob das über die Tage des Treffens hinaus trägt, hängt davon ab, ob aus den Appellen auch sichtbare Bewegung wird.

