Das Frachtschiff Ursa Major sank im Dezember 2024 im Mittelmeer vor der Südküste Spaniens, nachdem es nach Angaben von Ermittlern an Bord zu drei Explosionen an der Steuerbordseite nahe dem Maschinenraum gekommen war. Zwei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, 14 Menschen wurden gerettet.
Nach den vorliegenden Informationen waren 16 Menschen an Bord, zwei wurden nie gefunden. Der offizielle Kurs der Ursa Major führte von St. Petersburg nach Wladiwostok. Doch das Schiff, das einer Firma aus dem Umfeld des russischen Verteidigungsministeriums gehörte und unter US-Sanktionen stand, geriet schon am 22. Dezember 2024 in spanischen Gewässern ins Stocken und setzte erst einen Tag später einen Notruf ab.
Besonders brisant ist, was die spanische Regierung über die Ladung sagt. Demnach transportierte die Ursa Major Komponenten von zwei Kernreaktoren. Der Kapitän habe jedoch erklärt, die Reaktoren hätten kein nukleares Brennmaterial enthalten. Die Eigentümerfirma sprach dennoch von einem gezielten terroristischen Angriff. Der Kapitän habe außerdem angenommen, die Ladung werde später im nordkoreanischen Hafen Rason übernommen.
Die Ursa Major sank schließlich in internationalen Gewässern. Ein russisches Militärschiff, das den Frachter begleitet hatte, soll andere Schiffe angewiesen haben, sich fernzuhalten. Danach registrierten seismische Messstationen vier weitere Erschütterungen in der Region. Das Muster hat die Ermittler dazu veranlasst, nicht nur einen Unfall, sondern eine gezielte Einwirkung zu prüfen.
Eine mit der spanischen Untersuchung vertraute Quelle hält es für möglich, dass das Schiff durch einen speziellen Hochgeschwindigkeitstorpedo beschädigt wurde. Die Ermittlungen gehen laut den vorliegenden Angaben in Richtung eines Barracuda-Superkavitationstorpedos. Ein Analyst von Janes sieht dagegen eher eine Haftmine als Erklärung für Größe und Lage des Lochs im Rumpf und sagte dazu, es klinge nach einer Hohlladung, die von jemandem oder etwas an der Schiffshülle angebracht worden sei.
Der Fall bleibt politisch heikel, weil sich mehrere Linien überlagern: ein sanktionierter russischer Frachter, eine ungewöhnliche Ladung, eine Route quer durch die Seewege zwischen Russland und dem Fernen Osten und ein Untergang in der Nähe Spaniens. Gerade die Frage, was an Bord tatsächlich transportiert wurde und wer das Schiff wann beschädigt haben könnte, dürfte die Untersuchung weiter antreiben. Für die zwei Vermissten gibt es dagegen weiter keine neue Spur.
