Bayern hat den trockensten Frühling seit Beginn der Messreihe 1881 erlebt. Seit dem ersten kräftigen Tiefdruckgebiet mit nennenswertem Regen am 31. Mai sind zwar im Schnitt 40 Liter pro Quadratmeter gefallen, doch für Boden und Grundwasser reicht das noch nicht.
Genau deshalb wird das Thema Regen jetzt wieder gesucht: Die Niederschläge kamen nach Wochen der Trockenheit, haben den Wassermangel aber nur gebremst. Zwischen Landkreis Kitzingen mit 7 Litern pro Quadratmeter und Landkreis Rosenheim mit 96 Litern pro Quadratmeter zeigt sich, wie stark die Lage lokal schwankt. In Südbayern fehlten bis 10. Juni 176 Liter pro Quadratmeter, in Nordbayern 143 Liter; die Grundwasserneubildung lag im Schnitt rund 15 Prozent unter dem Ziel.
Die Landesanstalt für Landwirtschaft sagt deshalb, gebraucht werde weiter ein flächiger Landregen über mehrere Tage. Stephan Weigand bringt es auf den Punkt: Regen müsse in den Boden eindringen, die Wurzeln erreichen und den Pflanzen direkt zur Verfügung stehen. Für Gärten rät er, den Boden erst vorzunässen und dann alle drei Tage kräftig zu wässern statt jeden Tag nur wenig zu geben. Wer abends oder früh morgens gießt, verliert weniger Wasser durch Verdunstung.
Die ein paar regnerischen Tage Anfang Juni ändern an diesem Bild wenig. Das Landesamt für Umwelt hält fest, dass einzelne Regenwochen im Sommer den Rückstand langfristig nicht ausgleichen können. Ein kompletter zusätzlicher Regenmonat würde in Nordbayern 86 Liter pro Quadratmeter bringen, in Südbayern 134 Liter — und selbst das würde den Defizit nur schrittweise abbauen, weil ein Teil des Wassers erst den Boden durchdringen muss, bevor er überhaupt das Grundwasser erreicht.
Für Weigand gibt es immerhin eine kleine Entwarnung fürs Grün: Ein gesunder Rasen kann Stress zeitweise wegstecken und sich erholen. Für Bayern insgesamt bleibt aber die offene Frage nicht, ob Regen kommt, sondern wie lange er anhalten muss, damit aus nassem Boden wieder verlässliche Wasserreserven werden.

