Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow ist vor dem Landgericht Rostock ein möglicher Tatort am Tümpel bei Klein Upahl noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Ein Polizeibeamter sagte am Dienstag, Leichenfundort und Tatort könnten dort zusammenfallen.
Für diesen Punkt wird der Fall seit Tagen eng gelesen. Fabian verschwand am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow. Vier Tage später meldete Gina H. der Polizei, sie habe den Leichnam des Kindes bei einem Spaziergang mit einer Freundin zufällig an einem Tümpel in der Nähe von Klein Upahl entdeckt. Nun steht genau dieser Ort im Zentrum der Frage, ob Fabian dort getötet oder erst dorthin gebracht wurde.
Der Zeuge schilderte Gina H. vor Ort als aufgeregt, aber nicht niedergeschlagen. Beide Frauen hätten nicht tief betroffen gewirkt, sagte er. Gina H. habe außerdem mehrfach ungefragt betont, sie habe Spuren am Tümpel hinterlassen, weil sie dort das Kind gefunden habe. Für das Gericht ist das mehr als eine Randnotiz, weil die Aussage den Ort mit der späteren Spurensicherung verknüpft.
Rund um den Tümpel stellten Ermittler Schuhabdrücke von zwei unterschiedlichen Schuhen fest, die möglicherweise der Angeklagten zuzuordnen sind. Die Abdrücke passten zu Profilen von Schuharten, wie sie auch bei Gina H. sichergestellt worden waren. Zugleich waren sie in der Erde zu undeutlich, um individuelle Merkmale der Sohlen zu erkennen. Ein Gutachter konnte deshalb nicht sagen, ob exakt ihre Schuhe die Spuren hinterlassen hatten.
Genau daran entzündet sich der Streit zwischen Anklage und Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft leitet aus den Spuren ab, dass Fabian am Tümpel noch lebte; wenn es sich um verschiedene Schuhe der Angeklagten handelte, wäre sie mindestens zweimal am Fundort gewesen, möglicherweise einmal sogar am Tattag, dem 10. Oktober. Die Verteidigung bestreitet nicht, dass Gina H. am Tümpel war, hält aber dagegen, aus den Schuhabdrücken lasse sich kein Zeitpunkt ableiten.
Hinzu kommen Abdrücke, die von Fabians Schuhen stammen könnten. Die Schuhe des Jungen waren fast verbrannt, deshalb bestellten Ermittler neue Exemplare und verglichen sie mit Spuren im Ufersaum des Tümpels. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft spricht das dafür, dass Fabian dort noch herumgelaufen ist und nicht tot von einem anderen Tatort dorthin geschafft wurde. Die Verteidigung nimmt diesen Schluss nicht hin. Unklar bleibt auch, ob die am Tümpel gefundenen Schuhe tatsächlich Gina H. zuzuordnen sind und wann sie dort war.
Der Fall reicht zurück in den August 2025, als sich Fabians Vater von Gina H. trennte. Die 30-Jährige sitzt seit November in Haft und ist wegen heimtückischen Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian aus der Wohnung gelockt, bei Klein Upahl erstochen und seinen Leichnam später angezündet zu haben. Nach Ansicht der Ermittler glaubte sie, der Junge stehe einer Wiederbelebung ihrer Beziehung zu Fabians Vater im Weg.
Am Dienstag nahm das Gericht den Tatort anhand von Aufnahmen eines 3D-Laserscanners noch einmal in Augenschein. Der Vorsitzende Richter sagte, das Gerät ersetze einen Vor-Ort-Termin am Tümpel. Als Fabians Leichnam zu sehen war, vergrub Gina H. zeitweise ihr Gesicht in den Händen. Für den Prozess ist damit vorerst nicht beantwortet, wer am Tümpel was getan hat. Genau diese Spurensprache dürfte die weitere Beweisaufnahme vor dem Landgericht Rostock prägen.

