Wien will die Vergabe von Gemeindebau- und geförderten Wohnungen ab Juni neu regeln. Nach einer Testphase ersetzt ein flexibles Bonus-Punktesystem den bisherigen festen Kriterienkatalog, und die Stadt will damit stärker auf individuelle Lebenssituationen reagieren.
Das neue System gewährt unter anderem Alleinerziehenden, Schwangeren sowie Menschen in Ausbildung oder Weiterbildung Zusatzpunkte. Nach Angaben der Stadt soll bezahlbarer Wohnraum dadurch gezielter dorthin gehen, wo er gebraucht wird. Die Reform kommt nach einer Probephase, in der zwischen März und April 2026 rund 150 Wiener Wohn-Tickets ausgestellt wurden, 39 Gemeindewohnungen vergeben wurden und acht geförderte Wohnungen bereits dauerhaft zugeteilt wurden.
Die Stadt bewertet den Test als praktisch umsetzbar. Bewerberinnen und Bewerber hätten das Modell als fair und transparent wahrgenommen, hieß es, außerdem sei auch das Feedback aus Beratung und Verwaltung ausgewertet worden. Die Nutzung der Plattform sei überwiegend sehr positiv beurteilt worden. Damit bekommt die Wiener Wohnungsvergabe nach Jahren getrennter Wege für Gemeindebau und geförderte Wohnungen ein gemeinsames System.
Künftig werden Gemeindewohnungen und geförderte Wohnungen in einem einzigen Vergabesystem zusammengeführt. Ein Wiener Wohn-Ticket soll dann ausreichen, um sich unabhängig von der Wohnform für leistbares Wohnen anzumelden. Nach Angaben der Stadt müssen sich künftig alle im neuen System registrieren, auch jene, die bereits ein gültiges Wiener Wohn-Ticket haben. Die Anmeldung vorab soll ab 14. Juli 2026 möglich sein, der Start der neuen Wohnungsvergabe ist für den 22. September 2026 geplant.
Bis dahin können Inhaberinnen und Inhaber eines Wiener Wohn-Tickets weiterhin wie bisher nach Gemeindebau- und geförderten Wohnungen suchen. Danach läuft die Vergabe ausschließlich über das neue System. Für Menschen mit weniger digitaler Erfahrung soll der Zugang dennoch nicht schwerer werden: Vorgesehen sind Videoanleitungen, Schritt-für-Schritt-Unterlagen und ein FAQ-Bereich, während persönliche Beratung und individuelle Unterstützung fortgeführt werden.
Politisch geht die Reform nun in die nächste Runde. Der zuständige Ausschuss des Wiener Gemeinderats soll sich am 1. Juni mit der Novelle des Wiener Wohnungsvergabe-Gesetzes befassen, am 26. Juni soll sie dem Wiener Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Für die Stadt ist das mehr als eine technische Änderung. Wenn das neue Modell hält, was die Testphase verspricht, wird aus zwei getrennten Zugängen zu leistbarem Wohnen ein gemeinsamer Weg.
