Mehr als ein Jahr nach dem Terrorangriff von Villach ist ein 24-jähriger Syrer am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht sprach ihn einstimmig des Mordes, von fünf Fällen versuchten Mordes und von terroristischen Straftaten schuldig.
Der Angeklagte wurde in den voll besetzten Saal in Handschellen und unter Bewachung von vier maskierten Justizwachebeamten gebracht. Er saß auf einem Holzstuhl hinter Panzerglas. Die Geschworenen folgten mit acht Stimmen in allen Anklagepunkten dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf die Höchststrafe. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Im Zentrum von Villach war bei der Messerattacke ein 14 Jahre alter Schüler getötet worden, fünf weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Nach den Feststellungen des Gerichts soll der Mann innerhalb von 1 Minute und 24 Sekunden sechs Menschen im Alter von 14 bis 33 Jahren mit einem Klappmesser attackiert haben. Die Klinge war rund zehn Zentimeter lang und das Messer wurde eigenen Angaben zufolge gezielt für die Tat gekauft. Ein Essenslieferant beendete den Angriff, indem er mit seinem Auto in den bewaffneten Mann fuhr.
Richter und Staatsanwaltschaft zeichneten das Bild eines hochgefährlichen Täters. Der Vorsitzende sagte, der Angeklagte habe zwar ein Tatsachenstatement abgegeben, mit seinen Worten vor Gericht aber jede Reue ausgeschlossen. Die Staatsanwältin sagte, der Angeklagte habe sich entschieden, jede Empathie und Menschlichkeit abzulegen, und den Horror von Terroranschlägen in Kärnten, in Villach Realität werden lassen. Die Verteidigung verwies auf ein erschütterndes Beweisverfahren.
Der Fall beschäftigt Österreich seit dem Angriff und wirft weiter Fragen zu Radikalisierung und Gefährdung auf. Der Angeklagte war 2020 als syrischer Mann mit kurdischen Wurzeln in Österreich um Asyl angesucht und hatte es erhalten. Im Verfahren hatte er erklärt, er fürchte um sein Leben, weil er in Syrien zum Militär eingezogen worden wäre. In Österreich lebte er mit seinem Bruder vergleichsweise unauffällig. Die Verteidigung sagte zudem, er sei in Österreich über soziale Netzwerke vom Islamischen Staat radikalisiert worden.
Vor Gericht sagte der 24-Jährige zuletzt: „Ich möchte nichts machen“ und verzichtete auf Rechtsmittel. Damit steht die Verurteilung wegen acht Straftaten vorerst fest, doch über die endgültige Rechtskraft wird erst nach Ablauf weiterer Fristen entschieden. Für Villach bleibt vorerst die Gewissheit, dass der Angriff juristisch als Terror und Mord gewertet wurde und nun mit der schärfsten Strafe des österreichischen Strafrechts beantwortet ist.
