Karin Thaler hat erstmals offen über ein Familiengeheimnis gesprochen, das sie nach eigenen Angaben fast zwei Jahrzehnte lang verborgen hielt. Ihre Mutter sei spielsüchtig gewesen, habe Schulden gemacht und sogar im Gefängnis gesessen, sagte die Schauspielerin. Der Bruch in der Familiengeschichte fiel für sie mitten in ihre eigene Arbeit vor der Kamera.
Während der Dreharbeiten zur ZDF-Serie „Lutz & Hardy“ erfuhr Thaler 1994 nachts, dass ihre Mutter versucht hatte, eine Supermarktkette um fünf Millionen D-Mark zu erpressen. Als die ersten zwei Millionen übergeben werden sollten, sei die Mutter festgenommen worden. Thaler sagte, sie habe sich zugleich mit einem verletzten Knie, einem Anwalt und den Telefonaten mit dem Beamten, der ihre Mutter bewachte, und schließlich mit ihrer Mutter selbst auseinandersetzen müssen. „Heute würde ich das glaube ich nicht mehr überleben“, sagte sie über diese Zeit.
Die Enthüllungen macht Thaler nun mit Blick auf ihre Autobiografie „Stark, weil ich stark sein musste“, die Anfang April erschienen ist. Darin zeichnet sie auch den Weg nach, der sie schon früh auf eine feste Laufbahn festlegte. Als Jugendliche habe sie beschlossen, Schauspielerin oder Sängerin zu werden, einen Plan B habe es nicht gegeben. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer besten Freundin Tine schrieb sie nach eigenen Angaben 172 Bewerbungen an Musik- und Schauspielkontakte aus dem Telefonbuch. Eine einzige Antwort kam zurück: von einem Synchronstudio in Grünwald bei München.
Wie ernst sie ihre Ambitionen schon damals nahm, zeigte auch ein Bewerbungsbrief vom 4. September 1985. Darin schrieb sie, sie könne singen, sich graziös bewegen und tanzen, sehe gut aus, habe eine gute Figur und vor allem Talent für einen künstlerischen Beruf. Heute blickt Thaler auf eine Karriere zurück, die seit 1986 vor der Kamera läuft und sie seit dem Start von „Die Rosenheim-Cops“ mit der Rolle der Marie Hofer bekannt gemacht hat. In mehr als 600 Folgen gehört sie fest zum Ensemble.
Für das Jahr 2026 rechnet Thaler selbst mit einer Reihe persönlicher Marken: Dann werde sie 60 Jahre alt sein, seit 30 Jahren mit ihrem Mann Miloš verheiratet, ihre Freundin Tine seit 50 Jahren kennen, seit 25 Jahren bei den „Rosenheim-Cops“ spielen und seit 40 Jahren vor der Kamera stehen. Dass sie diese Bilanz überhaupt öffentlich zieht, hat auch mit der Distanz zu tun, die sie lange brauchte: Ihre Mutter, ihre Schulden und ihre Lügen habe sie rund zwei Jahrzehnte lang für sich behalten. Die nun sichtbare Offenheit schließt damit nicht nur eine Familiengeschichte auf, sondern erklärt auch, wie hart der Weg hinter ihrer scheinbar geradlinigen Fernsehkarriere war.

