Lesen: Olympiastadion Berlin: Bayern- und Stuttgart-Fans protestieren gegen DFB-Regel

Olympiastadion Berlin: Bayern- und Stuttgart-Fans protestieren gegen DFB-Regel

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Im Olympiastadion Berlin haben Bayern- und Stuttgart-Fans am Samstagabend mit abgestimmten Choreografien und Pyrotechnik gegen den DFB protestiert. Kurz bevor das 1:0 erzielte, leuchteten in beiden Fanblöcken zahlreiche Fackeln auf.

Der Protest richtete sich gegen die neue Strafpraxis aus der geänderten Rechts- und Verfahrensordnung des Verbands. Fans kritisieren, dass nun auch „politische und sonstige Anschauungen“ sanktioniert werden können. Die Aktion begann nach dem Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit und lief bis zum ersten Treffer weiter.

Schon vor dem Anpfiff hatte das Spiel eine ungewöhnliche politische und emotionale Dichte. Die Bayern-Anhänger zeigten beim Einlaufen der Teams eine Choreografie mit einem stilisierten Münchner Kindl, das eine Zigarette und den DFB-Pokal hielt. Daneben stand der Satz „Bayern München Rekordpokalsieger.“ In ihrem Block hing zudem ein Banner mit der Botschaft: „Artikel 5 GG – im Stadion nur mit Geldauflage.“

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Auch die Stuttgarter Fans hatten sich sichtbar vorbereitet. Ihre Choreografie trug den Schriftzug „I glaub i sieh scho dobblt“ und zeigte Äffle und Pferdle auf einer Insel mit Blick auf einen zweiten Titel in Serie. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte José Mourinho, der als Gast von im Stadion war. Bayern-Sportvorstand vermied vor dem Spiel eine klare Aussage zu seiner Vertragssituation und wischte auch Fragen zu Michael Olise beiseite. Auf ARD hatte um 19.07 Uhr noch von einem Auftritt gesprochen, der „im Sinne Fußballdeutschlands“ sei.

Sportlich kam die erste echte Zäsur erst spät. Um 21.32 Uhr flammte der Protest noch einmal in voller Stärke auf, als das Stadion in beiden Kurven von Pyro erhellt wurde und Kane kurz darauf den Bann brach. Dass der verbale und visuelle Widerstand gegen den DFB ausgerechnet in einem Endspiel dieser Größenordnung so geschlossen auftrat, zeigt vor allem eines: Der Konflikt zwischen Fans und Verband ist nicht abgeklungen, sondern hat die größte Bühne des deutschen Fußballs erreicht.

Vor dem Anpfiff hatte um 19.13 Uhr selbstbewusst gesagt, Stuttgart glaube an den Sieg und habe „noch einen wichtigen Job zu erledigen“. Eberl sagte später nur „null komma null“ zu seiner eigenen Zukunft und betonte, dass er seine Arbeit „gestern und auch morgen“ machen werde. Doch die eigentliche Botschaft des Abends kam aus den Rängen: Viele Fans akzeptieren die neue Linie des DFB nicht und nutzten das Endspiel, um das mitten in das nationale Schaufenster zu tragen.

Das macht den Abend größer als eine bloße Pyro-Episode. Es war ein koordinierter, sichtbarer Einspruch gegen eine Regel, die aus Fanperspektive nicht nur Ordnung schaffen, sondern Meinungen im Stadion einschränken kann. Und weil er vor dem größten Publikum des deutschen Vereinsfußballs stattfand, dürfte der Druck auf den Verband nach diesem Spiel kaum kleiner werden.

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