Gustavo Pimentel ist bis heute das Gesicht des Abstiegs von River. Das Foto, das ihn am 26. Juni 2011 im Monumental zeigte, wurde zur symbolträchtigsten Aufnahme jenes Tages – und 15 Jahre später bleibt es Teil seines Alltags, gerade jetzt, da River gegen Belgrano spielt.
Pimentel sagte, er habe nicht gewollt, dass Argentinos weiterkommt. Er sei damals mit der Zweigstelle Villa Elisa aus La Plata nach Córdoba gereist, um River im Finale des Torneo Apertura zu begleiten. Dass es ausgerechnet gegen Belgrano geht, mache die Sache für die Anhänger noch druckvoller. „Jugar contra Belgrano es una presión extra. No sé si para los jugadores, pero para los hinchas, una presión…“, sagte er.
Wie schnell aus einem Stadionmoment ein öffentliches Etikett werden kann, merkte Pimentel schon am Montag nach dem Abstieg. Ein Freund schrieb ihm, er stehe in der Zeitung El Día. Kurz darauf sah er nach eigenen Worten alle Auslagen mit seinem Gesicht hängen. Zwei Wochen lang verließ er sein Haus nicht. Menschen seien aggressiv geworden, wenn sie ihn erkannten, sagte er. In einem Supermarkt habe ihm jemand zugerufen: „Te fuiste a la B por puto y cagón, hijo de puta.“
Die Folgen reichten weit über jene erste Welle der Demütigung hinaus. Pimentel sagte, er habe später eine Serie für das Ausland unterschrieben und sei nach Auftritten in Fernsehprogrammen auf der Straße oft wiedererkannt worden. Der bekannteste Mann aus diesem Bild sei jedoch Tano Pasman gewesen, sagte er. Er selbst habe irgendwann Plakate mit seinem Gesicht auf grünen Werbepfosten in Buenos Aires gesehen. Darauf stand: „Moriste y quemaste la cancha.“ Als er begann, die Poster abzureißen, hielt ihn die Polizei an. Die Beamten sagten ihm, es gebe ungefähr 10 Kilometer solcher Plakate.
River vs belgrano ist für Pimentel deshalb mehr als nur ein Spiel. Er sagte, ein Sieg im Finale würde für ihn einen Kreis schließen. Zugleich weiß er, dass seine Nachbarschaft bereits auf den Montag wartet, um in den Zeitungen nachzusehen, ob er wieder verhöhnt wird. „Todo mi barrio está esperando para joderme después de la final, no les quiero dar el gusto. Esta es mi revancha“, sagte er. Nach einem Leben mit Spott, Gewalt und ständiger Wiedererkennung klingt das nicht wie ein Ausruf für einen Tag, sondern wie ein Urteil über 15 Jahre Öffentlichkeit, die an einem einzigen Foto hängen blieb.

