Mercedes bringt beim Grand Prix von Kanada an diesem Sonntag um 22:00 Uhr in Montreal ein Upgrade an den Start. Für das Team kommt der neue Unterboden auf die Ile Notre-Dame zu einem Zeitpunkt, an dem die Formel 1 in Kanada erstmals ein Sprint-Wochenende austrägt und damit kaum Raum für Fehler lässt.
Der neue Termin liegt ungewöhnlich früh im Kalender. Statt wie sonst rund um Mitte Juni steht Montreal diesmal deutlich früher an, und am Samstag folgt um 18:00 Uhr der Sprint, bevor am Sonntag das Hauptrennen beginnt. Für die Teams wird die Arbeit dadurch noch enger getaktet, zumal nur ein freies Training bleibt, um die Abstimmung für die Strecke und die kühleren Bedingungen zu finden.
Sportlich kommt Mercedes mit Rückenwind nach Kanada. George Russell, der im Vorjahr den Grand Prix von Kanada von der Pole Position aus gewann, hat nach seinem Sieg beim Saisonauftakt 20 Punkte Rückstand auf Kimi Antonelli. Der 28-Jährige Antonelli hatte Anfang Mai in Miami seinen dritten Sieg in Folge gefeiert und reist damit als Fahrer mit dem klaren Formplus nach Montreal.
Antonelli selbst bremste die Erwartungen vor dem Wochenende nicht, sondern sprach Russell große Stärke zu. „George wird in Kanada sicher wie immer super-stark sein, er wird ganz sicher auf den Sieg losgehen“, sagte er. Zugleich machte der Italiener deutlich, dass er sich im Wagen wohler fühlt als noch zu Saisonbeginn. „Ich fühle, dass ich noch mehr Kontrolle über den Wagen habe.“
Dass Montreal für Mercedes nicht nur eine Frage der reinen Pace ist, liegt auch am Rest des Feldes. McLaren, Ferrari und Red Bull hatten bereits für den Miami-Trip aufgerüstet, und McLaren gewann dort den Sprint mit Lando Norris vor Oscar Piastri. Im Hauptrennen landeten Norris und Piastri hinter Antonelli auf den Plätzen zwei und drei. Mercedes reagiert nun ebenfalls mit einem Update, weil die Autos auf einer Strecke mit nur einem Trainingsfenster schnell in ein enges Arbeitsfenster gedrängt werden können.
Hinzu kommt, dass die im April beschlossenen Regeländerungen im Energiemanagement in Miami bereits Wirkung zeigten. ServusTV-Experte Christian Klien sagte dazu, die Fahrer hätten „mehr am Limit fahren“ können, mit „weniger Lift and Coast und geringeren Geschwindigkeitsunterschieden – definitiv ein Schritt in die richtige Richtung“. Für Montreal bedeutet das: Die Ingenieure müssen nicht nur das Auto schnell machen, sondern es auch im neuen Regelumfeld sauber ins Fenster bringen.
Der Hintergrund des Wochenendes reicht weiter als nur zu Mercedes und McLaren. Am Freitag jährte sich Max Verstappens erster Grand-Prix-Sieg zum zehnten Mal, und zugleich meldete sich FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem mit einem klaren Blick auf die Zukunft des Sports zu Wort. Mit Blick auf die Formel-1-Motoren sagte er, „der populärste und am einfachsten umzusetzende Weg ist der V8“ und ergänzte: „Es wird passieren“.
Die Debatte um den Antrieb ist nicht neu. Die Formel-1-Autos wurden von 2006 bis 2013 von V8-Aggregaten angetrieben. Für das Hier und Jetzt in Montreal zählt aber vor allem, wer mit dem kurzen Trainingsfenster, dem kühleren Wetter und dem ersten Sprint in Kanada am besten zurechtkommt. Mercedes hat sein Upgrade rechtzeitig gebracht. Jetzt muss sich zeigen, ob es in Montreal sofort trägt.

