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Chemische Industrie: Sechste Runde ohne Ergebnis, Streiks rücken näher

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Die Lohnverhandlungen in der chemischen Industrie sind auch in der sechsten Runde ohne Ergebnis geblieben. Nach fünf erfolglosen Gesprächen gibt es für die rund 50.000 Beschäftigten weiter kein Angebot, das aus Sicht der Arbeitnehmerseite zur Teuerung passt.

Nach elf Wochen Gesprächen lag das Angebot der Arbeitgeber weiter nur bei 1 Prozent, obwohl die rollierende Inflation zuletzt 3,3 Prozent betrug. sprach deshalb von einer Lage, in der „11 Wochen nach Start der Gespräche trotz einer rollierenden Inflation von 3,3 Prozent weiter bei nur 1 Prozent Plus liege“ und forderte, in den Betrieben vorsorglich Streikkomitees zu wählen und Arbeitskampfmaßnahmen zu beschließen.

Der Streit hat Gewicht, weil die Chemie zu jenen Branchen gehört, in denen die frühen Lohnrunden des Jahres ohne Abschluss verlaufen. Auch in der Papierindustrie hatte es bereits fünf erfolglose Runden und Betriebsversammlungen vor der sechsten Runde gegeben, während die vierte Runde in der Elektro- und Elektronikindustrie am Montag ohne Ergebnis unterbrochen wurde. In der stand heute die nächste Runde an, ebenfalls ohne Anzeichen für einen Durchbruch.

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Binder machte klar, dass die Geduld der Belegschaften begrenzt ist. Wenn es am nächsten Termin am 28. Mai keinen Durchbruch gebe, werde es Arbeitsniederlegungen geben, sagte er sinngemäß. Die Botschaft ist deutlich: Die Verhandlungen sind nicht mehr nur zäh, sondern bewegen sich auf eine Eskalation zu.

Gleichzeitig verweisen die Arbeitgeber auf ihre Sicht der Lage. Im Tourismus lag das Angebot bei 3 Prozent, während die Gewerkschaft vida 3,6 Prozent verlangte. Vida-Chef sagte, 80 Prozent der angestellten Frauen und 50 Prozent der Männer hätten schon Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Die Arbeitgeber im Tourismus hielten dagegen, der KV-Mindestlohn sei in den vergangenen vier Jahren um insgesamt 27,1 Prozent gestiegen, und die Zahl der Beschäftigten habe seit 2022 um 12.000 auf 229.000 zugenommen.

Die Kluft zwischen Lohnforderungen, Teuerung und den Angeboten der Arbeitgeber zieht sich damit durch mehrere Branchen. In der chemischen Industrie ist sie heute besonders sichtbar geworden: Nach der sechsten Runde gibt es keinen Abschluss, aber einen klaren nächsten Termin — und die Aussicht, dass aus Verhandlungen bald Konflikt auf den Werkstoren werden könnte.

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