Daniel Altmaier hat beim ATP-Turnier in Hamburg am Dienstag den an Nummer zwei gesetzten Ben Shelton mit 4:6, 7:6, 6:4 geschlagen und damit sein bislang größtes Karriereergebnis gefeiert. Der Deutsche verwandelte nach 2:53 Stunden seinen ersten Matchball und steht im Viertelfinale.
Altmaier lag im zweiten Satz bereits mit 4:5 zurück, fing sich aber noch rechtzeitig und drehte die Partie gegen die Weltranglisten-Sechs. „Es war ein schwerer Kampf, ich freue mich sehr“, sagte er danach. Für den 25-Jährigen war es weit mehr als ein Arbeitssieg. „Das ist ein wichtiger Sieg, weil ich lange nicht mehr gegen einen Top-Ten-Mann gewonnen habe“, sagte Altmaier. „Aber wenn man arbeitet und an sich glaubt, dann kommen die Chancen und man gewinnt auch irgendwann.“
Das Turnier in Hamburg, ein klassischer ATP-Sandplatztermin in der Stadt, hatte schon vor dem ersten Aufschlag ein markantes Loch im Feld: Alexander Zverev hatte wegen Rückenproblemen kurzfristig abgesagt. Für die verbliebenen Namen öffnete das die Tür ein wenig weiter, doch Altmaiers Erfolg war mehr als nur eine Folge günstiger Umstände. Shelton war nicht irgendein Gegner, sondern die Nummer zwei der Setzliste und die aktuelle Weltranglisten-Sechs. Genau deshalb bekommt dieser Sieg sein Gewicht.
Auch abseits der deutschen Nummer eins lieferte Hamburg am Dienstag Stoff. Der 18 Jahre alte Justin Engel, der in der Weltrangliste auf Platz 190 geführt wird, unterlag Ugo Humbert nach 2:21 Stunden mit 3:6, 6:3, 6:7 (2:7). Humbert steht auf Rang 34 der Welt. Engel hatte im Vorjahr mit seinem Sieg gegen Jan-Lennard Struff in Hamburg den Durchbruch auf internationaler Bühne geschafft, und auch nach der Niederlage blieb der Ton bei ihm trotzig und selbstbewusst. „Es ist natürlich sehr ärgerlich, in drei zu verlieren gegen so einen Spieler, aber ich bin megastolz auf meine Leistung“, sagte er. „Ich mache einfach weiter, ich hab's drauf und irgendwann dreht sich das.“ Er fügte hinzu: „Ich ziehe viele positive Sachen draus.“
Der Blick auf die ersten Turniertage zeigt, wie offen das Feld in Hamburg geworden ist. Der Titelverteidiger Flavio Cobolli schied bereits in der ersten Runde gegen Ignacio Buse mit 2:6, 5:7 aus, obwohl er vor rund einem Monat in München noch das Finale erreicht hatte. Unter den gesetzten Namen setzt sich damit vor allem Felix Auger-Aliassime durch; der topgesetzte Kanadier bezwang Vit Kopriva mit 7:5, 6:1. Für Altmaier bedeutet der Sieg über Shelton nun die nächste Chance, aus einem bereits besonderen Turnier mehr zu machen.
In einem Tableau, das vor allem durch Ausfälle und frühe Überraschungen an Klarheit verloren hat, ist Altmaiers Erfolg der bislang deutlichste deutsche Akzent. Er holte sich nicht nur einen Platz im Viertelfinale, sondern auch den Beweis, dass er gegen einen Topgegner über drei Sätze die Ruhe behalten kann. Genau das macht diesen Dienstag in Hamburg größer als eine einzelne Runde.

