Harald Schmidt geht mit einer Mischung aus Spott, Vereinstreue und Vorfreude in das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und dem VfB Stuttgart. Der 68-Jährige sagte der Süddeutschen Zeitung vor dem Spiel am Samstag um 20.00 Uhr, er gehe „auf jeden Fall als Gewinner vom Platz“.
Schmidt nutzte das Gespräch, um vor allem Bundestrainer Julian Nagelsmann zu attackieren. Der 68-Jährige nannte den Auftritt des Trainers im „Aktuellen Sportstudio“ einen „Desaster-Auftritt“ und sagte: „Nach meiner langjährigen Erfahrung als größter Schmutzwerfer der Nation behaupte ich: Julian ist medial angezählt.“ Über Nagelsmann hieß es zudem, der Bundestrainer nähere sich dem Bundeskanzler an: „Leistung Weltklasse, verbesserungsbedürftig.“
Schmidts Seitenhieb wiegt auch deshalb schwerer, weil er sich selbst nicht als neutralen Beobachter gibt. Er sagte, er sei Mitglied beim FC Bayern und beim VfB Stuttgart. Dass er Mitglied in Stuttgart wurde, erklärte er mit einer alten Begegnung mit Hansi Müller im Parkhaus am Neckarstadion. Müller habe ihn dort „gefangen“, sagte Schmidt. Der frühere Nationalspieler und Schmidt seien zudem im selben Jahr geboren: „Wir sind im selben Jahr geboren: 1957.“
Die Doppeltreue ist mehr als eine Anekdote, weil sie den Ton seiner Einlassungen bestimmt. Schmidt erzählte auch, dass Thomas Helmer bei einem früheren Besuch in seiner Sendung eine Bayern-Mitgliedschaft ins Studio gebracht habe. Gleichzeitig äußerte er die Sorge, dass „da eine rote Sturmfront auf den VfB zurollt“. Für Stuttgart sei das Pokalfinale damit nicht nur ein Spiel gegen den FC Bayern, sondern auch ein Abend, an dem Schmidts alte Vereinsbindungen öffentlich zusammenprallen.
Auch beim Blick über den Samstag hinaus blieb Schmidt bei seinem spitzen Ton. Für die WM erwartet er, dass sich die deutsche Nationalmannschaft politisch bemerkbar macht, indem sie das erste Gruppenspiel mit Rentnern statt mit Kindern bestreitet. Das ist typisch Schmidt: eine Mischung aus Übertreibung, Provokation und Fernsehgedächtnis, die im Interview mit der Süddeutschen Zeitung noch einmal auf die Bühne kam. Für Nagelsmann, Kompany, Neuer und den VfB bleibt damit vor allem eines hängen: Schmidt schaut zu, rechnet mit Bayern und hält den Ausgang für offen genug, um sich schon jetzt auf beiden Seiten als Gewinner zu sehen.

