FC Zürich hat am Montag den österreichischen Torhüter Heinz Lindner verpflichtet. Der 35-Jährige kommt zu einem Klub, der nach dem überraschenden Rücktritt von Yanick Brecher am Ende der vergangenen Saison dringend einen neuen Schlussmann gesucht hatte.
Mit dem Transfer kehrt Lindner in die Stadt zurück, in der er bereits zwischen 2017 und 2019 für GC spielte. Damals kam er auf 75 Einsätze für die Grasshoppers. Genau diese Vergangenheit macht den Wechsel für Teile des Umfelds heikel: Auf einer online kursierenden Aufnahme war auf der Zufahrtsstrasse zum Trainingszentrum des FCZ in Zürich Schwamendingen Graffiti zu sehen, darunter die Worte: «Canepas, ‹nüt für Unguet›: Lindner du scheiss Hopper!»
Der Klub distanzierte sich am Nachmittag des Berichts von der Schmiererei und betonte, unterschiedliche sportliche Wege und Karrieren gehörten zum modernen Fussball und verdienten ein Mindestmass an Respekt. Der FCZ erklärte weiter, man tolere keine Diffamierungen oder herabwürdigenden Äusserungen gegenüber Personen, die sich für den Stadtclub engagieren.
Der Vorgang reiht sich in eine längere Debatte um den Umgang des FC Zürich mit früheren GC-Personalien ein. Schon der Wechsel des früheren GC-Junioren Steven Zuber zum FCZ zum Start des Jahres 2025 hatte im Umfeld der Zürcher Südkurve teils heftige Reaktionen ausgelöst. Auch die Verpflichtung von Marcel Koller für die laufende Saison hatte den Klub in den vergangenen Monaten unter Beobachtung gehalten, weil Fans auf Bewegungen mit GC-Bezug besonders sensibel reagieren.
Präsident Ancillo Canepa hatte die Kritik auf der Klub-Website bereits zuvor öffentlich aufgegriffen und seinen Standpunkt unmissverständlich gemacht. Er schrieb: «Auch für die hier angesprochenen Fans gilt: Im Zentrum steht der FCZ – nicht individuelle Empfindlichkeiten. ‹Nüd für unguet›, aber das musste ich mir einmal von der Seele schreiben.»
Für Lindner ist der Wechsel sportlich zunächst eine klare Chance, beim FC Zürich sofort eine zentrale Rolle zu übernehmen. Für den Klub ist er zugleich ein weiterer Test, wie weit er die eigene sportliche Neuaufstellung gegen die emotionalen Reflexe eines Rivalitätskampfs durchsetzen kann.
