Władimir Putin ist am Mittwoch aus Peking abgereist, ohne das wichtigste Abkommen in der Tasche zu haben, auf das der Kreml gesetzt hatte. Der russische Präsident konnte Xi Jinping nicht dazu bewegen, eine Vereinbarung über den Bau einer strategischen Gasleitung zu unterzeichnen.
Die Reise des russischen Präsidenten in die chinesische Hauptstadt war am Dienstag und Mittwoch von Gesprächen mit Xi geprägt. Für Moskau stand dabei die zweite Nord-Süd-Verbindung für Gas ganz oben auf der Liste. Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte am Mittwoch zwar, die Seiten hätten die „allgemeinen Parameter“ des Projekts Sila Sibiri 2 abgestimmt, zugleich müsse man aber noch „einige Details klären“.
Über die bestehende Leitung Sila Sibiri liefert Russland seit 2019 Gas nach China. Die geplante zweite Trasse soll nach den vorliegenden Angaben bis zu 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr transportieren und von der Jamal-Halbinsel in Westsibirien über mongolisches Gebiet zu den Abnehmern in China führen. China kauft derzeit rund 40 Milliarden Kubikmeter russisches Gas im Jahr. Mit der neuen Infrastruktur ließe sich dieses Volumen mehr als verdoppeln.
Dass Putin Pekings Zustimmung nicht sichern konnte, ist für den Kreml mehr als ein diplomatisches Detail. Die Pipeline war als strategisches Projekt dargestellt worden, das den russischen Export auf den chinesischen Markt weiter absichern sollte. Statt eines Durchbruchs bleibt vorerst nur die Aussage, dass die Grundzüge angeblich stehen, während die entscheidenden Bedingungen offenbleiben.
Die Lücke zwischen dem politischen Schulterschluss und dem fehlenden Gasvertrag verweist auf das Machtgefälle in der Beziehung der beiden Länder. Beide Staatschefs lehnen die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten ab und kritisieren amerikanische Militäreinsätze gegen Iran. Peking unterstützt Moskau zudem während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Doch gerade die ausbleibende Gasvereinbarung und die Frage nach chinesischen Komponenten, die in der Ukraine für Drohnen genutzt werden, zeigen, wie ungleich das Verhältnis inzwischen geworden ist.
Für den Kreml ist das umso heikler, weil die Verhandlungen vor Putins Reise selbst als zentrales Thema angekündigt worden waren. Nun reist er ab, ohne den Beleg vorweisen zu können, dass Russland den chinesischen Markt zu den eigenen Bedingungen weiter öffnen kann. Das lässt offen, wie viel politischer Einfluss Moskau in Peking tatsächlich noch hat, wenn es um Geld, Energie und strategische Infrastruktur geht.

