Erwin Kostedde, eine Legende von SV Werder Bremen, ist am Donnerstag 80 Jahre alt geworden. Der frühere Stürmer lebt heute in Everswinkel in Westfalen, weitgehend abgeschieden und ohne Kontakt zu vielen Menschen.
Ein Ausnahme bleibt sein Sohn. Für Kostedde, der nach eigenen Angaben über weite Strecken seines Lebens allein zurechtkommen musste, ist das kein beiläufiges Detail, sondern Teil eines Daseins, das sich seit Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Seine Frau Monika starb 2019 an Krebs.
Werder gehört trotzdem weiter zu den prägenden Stationen seiner Karriere. Zwischen 1980 und 1982 spielte Kostedde für den Club, in der Zweitligasaison 1980/81 erzielte er 29 Tore. 1981 wurde er in Bremen zum Sportler des Jahres gewählt. Über seine Zeit an der Weser sagte er später schlicht: „Super“. Und er ergänzte: „Das ganze Umfeld dort, es hat damals für mich alles gepasst.“
Die Werder-Jahre waren nur ein Abschnitt in einer Laufbahn, die auch international Beachtung fand. In der Saison 1970/71 wurde Kostedde mit Standard Liège Torschützenkönig in Belgien, 1979/80 gelang ihm das gleiche in Frankreich mit Stade Laval. 1974 erzielte er Deutschlands Tor des Jahres. Insgesamt kam er auf 98 Treffer in 219 Bundesliga-Partien. Es sind Zahlen, die seine Klasse belegen und gleichzeitig erklären, warum er bis heute als Ausnahmefigur gilt.
Gerade dieser Abstand zwischen Talent und Bilanz zieht sich durch seine Lebensgeschichte. Kostedde sagte einmal, er habe oft gehört: „Was wollen die mit dem Alten?“ Und er meinte auch: „Wenn ich früher zu Werder gekommen wäre, hätte ich dem Club noch viel mehr geben können.“ In den Aussagen steckt Stolz, aber auch Bitterkeit über verpasste Jahre. Er sprach offen darüber, dass er mehrfach Suizidgedanken gehabt habe, weil er seine Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt habe. Er nannte sich selbst einen schwierigen Menschen.
Alexander Heflik hat dem früheren Angreifer mit „Erwin Kostedde: Deutschlands erster schwarzer Nationalspieler“ eine Biografie gewidmet. Darin wird Kostedde als öffentlich scheu beschrieben; auch Alkohol und nächtliches Umherstreifen spielten demnach immer wieder eine Rolle in seinem Leben. Das Bild, das bleibt, ist das eines Mannes mit großer Begabung, der auf dem Platz glänzte und abseits davon oft keinen festen Halt fand.
Für Werder bleibt Kostedde einer der bemerkenswertesten Namen der Vereinsgeschichte. Für ihn selbst scheint der Geburtstag weniger Anlass zum Feiern gewesen zu sein als ein weiterer Tag in einem Leben, das von Ruhm, Verlust und Rückzug gleichermaßen geprägt ist.
