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Braunbär Bruno vor 20 Jahren: So veränderte er Bayern bis heute

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Am 20. Mai 2006 wurde Bär erstmals in Bayern gesichtet. Ein paar Wanderfotos machten ihn berühmt. Wenige Wochen später war er tot. Aus Sicherheitsgründen wurde er erschossen.

Was damals als ungewöhnliche Rückkehr eines Tiers begann, wurde für Bayern schnell zur Grundsatzfrage. Im Mai 2006 hatte der Freistaat nach gut 170 Jahren erstmals wieder einen Bären begrüßt. Der damalige Umweltminister sagte: „Wir freuen uns, wenn der Braunbär sich hier wieder ansiedeln, wieder heimisch werden würde.“ Die Hoffnung hielt nicht lange. Bruno überschritt die Grenze, als er mitten in einer Ortschaft einen kleinen Hühnerstall plünderte. Ein Vergrämungsversuch fand nicht statt, weil der Bär kaum zweimal am selben Ort auftauchte. Extra eingeflogene finnische Bärenjäger kamen mit ihren Spürhunden nicht an ihn heran.

Brunos Tod zog eine politische und emotionale Linie durch die nächsten Jahre. Nach seinem Abschuss demonstrierten in Miesbach Tierschützer, zugleich erhielten lokale Jäger und Schnappauf Morddrohungen. Seit 2007 gilt deshalb der . Auf 16 Seiten sind die Zuständigkeiten darin genau geregelt. Ein Bär gilt als „ungefährlich“, wenn er „sofort flüchtet“. Wenn er sich nicht vergrämen lässt oder in „bewohnte Gebäudeteile eindringt“, muss er „entnommen“, also abgeschossen werden.

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Der Plan ist bis heute die Richtschnur, doch die Wirklichkeit bleibt unruhig. Immer wieder werden einzelne Bären im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet nachgewiesen. Im Mai 2023 wurde im Oberallgäu ein Bär auf einer Wiese fotografiert, die damalige Landrätin sprach sich nach einem Bärenhinweis sogar für eine bewaffnete Eingreiftruppe aus. Anfang Mai wurde im Oberen Inntal in Tirol wieder ein Bär nachgewiesen, und fand aktuell Bärenspuren im Staatsforst im Raum Garmisch. Das schreibt zugleich, nach den derzeit vorliegenden Informationen sei nicht davon auszugehen, dass sich Bären in Bayern dauerhaft ansiedeln.

Die bayerische Erfahrung steht auch für eine größere Alpen-Debatte. Vor drei Jahren tötete in Südtirol eine Bärin einen Jogger, ein anderes Muttertier verletzte dort einen Wanderer schwer. Seitdem wurden mehrere Bären illegal getötet. Der Braunbär ist damit in Bayern nicht wieder heimisch geworden, aber er ist auch nicht verschwunden. Bruno machte den Konflikt sichtbar, der bis heute bleibt: Willkommen ist der Bär nur, solange er Abstand hält.

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