WSP Global Inc. und Stantec Inc. melden wieder Wachstum, doch die Aktie hilft das bisher kaum. Beide kanadischen Ingenieur- und Beratungsfirmen legten in den vergangenen zwei Wochen organisch um 3 bis 5 Prozent zu, während Anleger weiter darauf setzen, dass künstliche Intelligenz ihr Geschäft billiger und austauschbarer macht.
Seit sich diese Sorge vor etwa sechs Monaten ausbreitete, hat Stantec 23,7 Prozent an Börsenwert verloren, WSP 23,1 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der S&P/TSX Composite Index um 12,5 Prozent gestiegen. Für einen Sektor, der Kanada über mehrere Jahre hinweg zu den TSX-Gewinnern zählte, ist das ein scharfer Bruch. WSP sitzt in Montreal, Stantec in Edmonton.
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Das operative Bild ist nicht eingebrochen. WSP verzeichnete in den vergangenen Wochen organisches Wachstum von 3 bis 5 Prozent, ebenso Stantec. Doch der Markt preist nicht mehr die alte Zuversicht ein, nach der Ingenieur- und Beratungsfirmen automatisch Prämienbewertungen erhielten. Das wurde besonders sichtbar, nachdem WSP im späten Jahr 2025 für US$3,3 Milliarden in bar TRC Companies kaufte, ein Schritt, der die Strategie des Konzerns eher ausbaute als bremste.
Ian Gillies sagte, man habe in den vergangenen Wochen Analystengespräche geführt. Er fügte hinzu, das Podest, auf dem diese Aktien in den vergangenen fünf Jahren gestanden hätten, gebe es nicht mehr; der Weg zurück zu Premium-Multiples sei steinig. Genau darin liegt der Kern des Ausverkaufs. Anleger fragen sich nicht mehr nur, ob die Auftragsbücher voll sind, sondern ob KI Teile der höhermargigen Beratungsarbeit schneller standardisieren kann, als die Firmen neue Erlösquellen erschließen.
Der Druck ist dabei nicht auf WSP und Stantec beschränkt. Auch die US-Konkurrenten Jacobs Solutions Inc., Aecom und Tetra Tech haben unter dem Abverkauf gelitten, der in den USA im Mai deutlich an Fahrt aufnahm. Gleichzeitig gibt es Gegenbeispiele im Markt: Aecon Group Inc. und Bird Construction Inc. haben ihre Aktienkurse im vergangenen Jahr jeweils mehr als verdoppelt. Das zeigt, dass Anleger nicht den gesamten Bausektor aus dem Fenster werfen, sondern sehr selektiv zwischen Infrastruktur, Bau und beratungsintensiven Modellen unterscheiden.
RBC Dominion Securities hält die Nachfrageperspektive für den gesamten Bereich weiter für günstig, gestützt von Infrastrukturinvestitionen, KI- und Rechenzentrumsaktivität, strombezogenen Projekten und gezielten Übernahmen. Die Analysten verwiesen auf große öffentliche und private Vorhaben in Canada, U.S., U.K. und Australia. Der Konflikt zwischen dieser robusten Grundnachfrage und den Bewertungen ist deshalb so scharf, weil der Markt den Firmen zwar weiter Arbeit zutraut, ihnen aber nicht mehr denselben Preis für diese Arbeit zugestehen will.
Damit ist die Antwort auf die zentrale Frage des Tages klar: Die Aktien fallen nicht, weil die Geschäfte wegbrechen, sondern weil Anleger die alte Bewertung für nicht mehr haltbar halten. Solange WSP, Stantec und ihre Konkurrenten nicht beweisen, dass KI ihre Beratung eher ergänzt als verdrängt, dürfte der Markt die Branche weiter anders behandeln als noch vor fünf Jahren.
