In Bockhorn soll an der Ortseinfahrt ein neuer Supermarkt mit Drogerie entstehen. Investor Dr. Karl Harms will auf seinem Grundstück vor dem Sonderpostenmarkt Zimmermann an der Sielstraße nahe der B 437 bauen, und der Gemeinderat soll schon bald darüber abstimmen.
Harms erinnerte im Bauausschuss daran, dass er dort bereits in den 1980er-Jahren rund 20 Jahre lang einen Supermarkt betrieben habe. „Seit den 80ern habe ich dort circa 20 Jahre einen Supermarkt betrieben, der jetzt an die Firma Zimmermann vermietet ist. Erneut möchten wir einen Lebensmittelmarkt aufbauen“, sagte er. Für Bockhorn wäre es der zweite große Schritt an dieser Stelle: Neben dem Lebensmittelmarkt ist auch eine Drogerie vorgesehen, ein Angebot, das im Ort seit Jahren gefordert wird.
Genau das macht das Vorhaben politisch heikel. Es betrifft den Combi-Markt in Bockhorn, der von der Bünting-Gruppe aus Leer betrieben wird, und damit die Nahversorgung im Zentrum. Ein erstes Gutachten des Planungsbüros Stadt + Handel Beckmann und Föhrer aus dem vergangenen Jahr hatte Harms’ Pläne als problematisch eingestuft. Die Gutachter rechneten mit Umsatzverlusten von etwa 35 Prozent für den Combi-Markt und hielten es für möglich, dass der Markt im Ortskern durch das Projekt verdrängt werden könnte.
Im Ausschuss saß auch Jasmin Cirksena aus dem Expansionsteam von Bünting. Sie verwies darauf, dass der Konzern in Bockhorn bereits mehrere Millionen Euro investiert habe. „Wir haben hier in Bockhorn mehrere Millionen Euro investiert und auch wir würden in Bockhorn die Ansiedlung eines Drogeriemarktes begrüßen“, sagte sie. Zugleich machte sie deutlich, dass Bünting selbst derzeit keinen Platz habe, um in Combi eine Drogerie zu integrieren. Man habe bereits Gespräche mit Eigentümern über einen Drogeriemarkt geführt, sagte Cirksena. „Wir sind bestrebt, einen Drogeriemarkt vor Ort anzusiedeln“, sagte sie, „um den zentralen Versorgungsbereich in Bockhorn zu stärken“.
Auf der anderen Seite steht eine zweite fachliche Bewertung. Harms ließ von Dr. Lademann & Partner ein Gutachten erstellen, das sein Projekt als verträglich und zulässig einstuft. Bünting beauftragte dagegen die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH, deren Hamburger Experten zu einem kritischen Ergebnis kamen. Nach ihrer Einschätzung verstieße das Vorhaben gegen die Regeln des Landesraumordnungsprogramms Niedersachsen. Außerdem sei damit zu rechnen, dass die Umsätze im Bockhorner Ortskern insgesamt zurückgingen.
Damit stehen sich in Bockhorn zwei sehr unterschiedliche Lesarten derselben Fläche gegenüber: Hier der Hinweis auf einen alten Handelsstandort an der Ortseinfahrt, dort die Sorge um einen möglichen Aderlass im Zentrum. Holger Ammermann vom Verband Handel, Handwerk und Gewerbe sagte, einige Gewerbetreibende aus dem Bockhorner Raum lehnten die Pläne ab. „Es ist äußerst ratsam, dass der Gemeinderat mit den Gewerbetreibenden an einen Tisch kommt, bevor Entscheidungen gefällt werden“, sagte er.
Für die Gemeinde wird die Entscheidung mehr sein als eine Abstimmung über ein einzelnes Bauvorhaben. Seit Jahren wird in Bockhorn ein Drogeriemarkt verlangt, gleichzeitig warnten die Fachgutachten nun vor Schäden für den Combi-Markt und den Ortskern. Wenn der Rat bald entscheidet, muss er abwägen, ob der neue Markt die Versorgung stärkt oder genau die Strukturen schwächt, die er eigentlich sichern soll.
