Lesen: Esc Israel: Fünf Länder boykottieren den Eurovision in Wien

Esc Israel: Fünf Länder boykottieren den Eurovision in Wien

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Der geht am Samstagabend in Wien über die Bühne, doch erstmals seit Jahren fehlt ein ganzer Block europäischer Sender: Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island bleiben dem Finale fern. Die fünf Länder ziehen sich aus Protest gegen Israels Teilnahme zurück, während die Angriffe in Gaza andauern und die Polizei in Wien die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren hat.

Spaniens Regierungschef begründete den Schritt am Freitag mit scharfen Worten. „In the face of illegal war and also genocide, silence is not an option“, sagte er und fügte hinzu: „We will not be in Vienna, but we will do so with the conviction that we are on the right side of history.“ Spaniens Staatsrundfunk TVE ersetzt den Eurovision-Abend durch eine alternative Musiksendung. In Slowenien zeigt RTV statt des Finales Dokumentationen über Gaza, und Irlands RTÉ sendet eine Folge von „Father Ted“ aus dem Jahr 1996, in der katholische Priester bei einem europäischen Wettbewerb „My Lovely Horse“ singen und mit „nul points“ enden. Das irische Medium nannte den Plan unter der Überschrift „My Lovely Boycott“ sogar „genius trolling“.

Der Boykott trifft den Wettbewerb ausgerechnet in seinem 70. Jahr. Die Eurovision-Show, die in Wien ausgetragen wird, markiert das 70. Jubiläum in der österreichischen Hauptstadt und wird von der Europäischen Rundfunkunion organisiert, einem Verbund von 113 öffentlich-rechtlichen Medienhäusern aus 56 Ländern. Israel und seine Unterstützer sagen, hinter dem Rückzug stecke Antisemitismus. Die Gegner des Wettbewerbs werfen der Show dagegen vor, sie wasche Gräueltaten an Palästinensern kulturell weiß. In diesem aufgeheizten Klima riefen während des Halbfinalauftritts der israelischen Teilnehmerin Rufe von „stop the genocide“ durch die Halle.

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Für die Auswertung am Samstag kommt noch ein weiterer Streitpunkt hinzu. Als zusätzliche Spannungsquelle gilt der Hinweis, dass die Regierung von Benjamin Netanjahu in den Jahren 2024 und 2025 Regeln zur öffentlichen Abstimmung gedehnt haben soll. Der Vorwurf fällt in eine Phase, in der das Vertrauen in die Abstimmungsmechanik ohnehin belastet ist. Der Musikjournalist sagte: „This is the biggest boycott that Eurovision has ever seen, and that goes a long way to dent its image.“ Und er ergänzte: „Eurovision is meant to bring countries together, and if countries no longer want to participate that undermines the entire enterprise.“

Auch der ESC-Historiker verortet den Bruch klar. „The year where this all boiled over was 2024“, sagte er. „That’s when things got completely out of hand and the EBU lost control.“ Auf die Frage, ob der Dachverband die Lage wieder eingefangen habe, antwortete er knapp: „They haven’t really got it back.“ Die gegenwärtige Krise reiht sich in eine lange Geschichte politischer Eurovision-Momente ein: 1969 boykottierte Österreich den Gastgeber Spanien wegen der Diktatur dort, und 1974 sang Abba nach ihrem Sieg mit „Waterloo“ die Zeile, die heute fast wie eine Fußnote zur Gegenwart wirkt: „The history book on the shelf / Is always repeating itself.“

Genau darin liegt die Sprengkraft dieses Jahres: Der Wettbewerb, der sich seit Jahrzehnten als große, unpolitische europäische Feier verkauft, findet diesmal ohne fünf Länder statt, mitten in Sicherheitsvorkehrungen und unter dem Schatten eines Kriegs, der den Songcontest weit über die Frage hinauszieht, wer am Ende die meisten Punkte bekommt.

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