Pitchfork hat Chris Browns neues Album BROWN besprochen und damit eine alte Debatte wieder auf die Oberfläche geholt: Wie geht man mit einem Star um, dessen Musik weiterhin zieht, dessen Vergangenheit aber nie verschwindet? Das Album ist Browns 12. Soloalbum, und der Auftakttrack heißt „Leave Me Alone.“
Die Rezension erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Brown kommerziell wieder auf einem Hoch steht. Im Jahr 2025 gewann er erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder einen Grammy, als er für die Deluxe-Ausgabe von 11:11 als Best R&B Album ausgezeichnet wurde. Außerdem gehörte seine Stadiontour Breezy Bowl XX zu den umsatzstärksten der vergangenen Jahre; unter den Gästen waren unter anderem Mary J. Blige und Kehlani. Das ist nicht das Bild eines abgeschriebenen Künstlers. Es ist das eines Mannes, der weiter füllt, verkauft und Gesprächsstoff liefert.
Genau darauf zielt die neue Besprechung ab. Sie beschreibt Browns Karriere als einen langen Kampf darum, die eigene Erzählung zu kontrollieren, und stellt den Schatten des Jahres 2009 in den Mittelpunkt, als Bilder der blutigen Misshandlung von Rihanna durch Brown, damals 19 Jahre alt, an die Öffentlichkeit gelangten. Der Text verweist zugleich darauf, dass Brown nie ganz aus dem Pop-Zirkus verschwunden ist: Schon 2005 brachte sein Debütsong „Run It!“ ihn mit Platz 1 in die Spitze der Hot 100, und später erklärte er in einem Vibe-Cover von 2007 selbst, ein einziges Video könne reichen, um ihn als „bad boy“ erscheinen zu lassen, ein Bild, das er jederzeit umdrehen könne.
Brown hat diese Deutungsschlacht auch jüngst nicht gemieden. Nach Bad Bunnys Super-Bowl-Auftritt schrieb er in seiner Instagram-Story: „I think its safe to say.. they need me!“ Die Bemerkung passt zu einem Künstler, der sich seit Jahren nicht nur als Sänger, sondern als unverzichtbarer Showman inszeniert. Genau diese Spannung trägt auch das neue Album, dessen Texte laut der Besprechung zwischen Selbstrechtfertigung und Trotz pendeln, etwa wenn Brown sinngemäß beklagt, man schreibe Kapitel um, die andere nie gelesen hätten, und zugleich von einer Wiederauferstehung spricht, die nur sichtbar werde, wenn man nicht nur die Vergangenheit betrachte.
Der Widerspruch bleibt derselbe wie seit Jahren: Browns Publikum behandelt ihn weiter wie einen Star, dessen Tabu längst gelockert ist, während seine Biografie jeden Versuch eines sauberen Neustarts sofort einholt. Dass BROWN gerade jetzt erschienen ist, wirkt deshalb weniger wie ein schlichtes Comeback als wie die nächste Runde in einem Streit, den Browns Karriere nie beenden konnte. Er ist zurück, er war nie ganz weg — und genau das ist der Punkt, den diese Rezension festnagelt.

