Lesen: Lea Seydoux in „Gentle Monster“: Marie Kreutzer will Fragen statt Antworten

Lea Seydoux in „Gentle Monster“: Marie Kreutzer will Fragen statt Antworten

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bringt mit „“ einen Film in den Wettbewerb von Cannes, der am 15. Mai Premiere feiert und als zeigt, eine brillante französische Musikerin, die mit ihrem Filmemacher-Partner und dem kleinen Sohn aufs Land zieht. Als die vor der Tür steht, deutet alles darauf hin, dass Philipp in Kindesmissbrauch verwickelt ist.

Kreutzer sagte, sie wolle mit dem Film keine einfachen Antworten liefern, sondern das Publikum mit Fragen zurücklassen. „Ich bin so schlecht im Pitchen, aber ich würde sagen, das ist ein Film, der dem Publikum eher Fragen stellt, als dass er ihnen Antworten auf schwierige Fragen gibt“, sagte sie. Der Film, so die Regisseurin weiter, handle von Ehrlichkeit und davon, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. „Es geht darum, wie wir zusammenleben, wie wir mit Vertrauens- und Ehrlichkeitsproblemen umgehen.“

Dass Kreutzer das Projekt so direkt auf eine familiäre Beziehung und einen Verdacht im engsten Umfeld zuspitzt, ist kein Zufall. Sie sagte, sie habe die Idee zu „Gentle Monster“ im Sommer 2020 während des Lockdowns gehabt, als sie einen Artikel über ein großes in Deutschland aufgedecktes Pädophilen-Netzwerk gelesen habe. Erst da sei ihr klar geworden, dass man nicht nur Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs kennen müsse, sondern auch Täter. „Es könnte jeder sein“, sagte sie. Gleichzeitig betonte sie, der Film richte sich nicht gegen Männer als Gruppe. „Ich greife nicht Männer an, sondern ich greife das System an“, sagte Kreutzer.

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Die Regisseurin begann nach eigenen Angaben schon 2020 damit, deutsche Polizei-Ansprechpartner zu suchen, um mit Menschen für ihre Recherchen sprechen zu können. Später wurde das Projekt für sie auch deshalb heikel, weil sie fürchtete, jeder werde es mit dem Fall „“ verbinden. Ihre erste Reaktion auf die Rückkehr zu dem Stoff sei gewesen: „Ich werde den Film nicht mehr machen können, weil jeder ihn immer mit diesem Fall in Verbindung bringen wird.“ Doch genau diese Erfahrung ließ sie nach eigener Darstellung umdenken. „Ich habe es tatsächlich erlebt“, sagte sie, und deshalb sei es noch wichtiger gewesen, den Film zu machen.

Mit diesem Hintergrund geht „Gentle Monster“ am 15. Mai in Cannes an den Start: als Wettbewerbsbeitrag, der in einer scheinbar vertrauten Familiengeschichte einen Verdacht in den Mittelpunkt rückt, der alles andere verdrängen kann. Kreutzers Punkt ist klar. Der Film will nicht beruhigen. Er will erzwingen, dass das Publikum hinsieht, gerade dort, wo es lieber wegsehen würde.

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