Mit einem Appell an Hoffnung, Demokratie und Zusammenhalt ist der 104. Deutsche Katholikentag am Mittwochabend in Würzburg eröffnet worden. Trotz Regen kamen rund 9.000 Besucher auf den Residenzplatz, wo Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Präsidentin des Katholikentags, Irme Stetter-Karp, sowie die Bischöfe Franz Jung und Heiner Wilmer das Treffen mit deutlichen politischen und kirchlichen Worten prägten.
Steinmeier rief dazu auf, nicht in Resignation zu verfallen. „Wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden“, sagte er. Er warnte vor einer Stimmung, die Zuversicht untergräbt, und fügte hinzu: „Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt.“ Zugleich warb er für ein engeres Verhältnis der christlichen Konfessionen und forderte: „Mehr Ökumene wagen!“
Der Katholikentag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“, und genau diesen Ton setzte auch Stetter-Karp. Sie sagte, Krieg, Armut und Ungerechtigkeit prägten viele Regionen der Welt, während in Deutschland Hass, Lügen und gesellschaftliche Spaltung zunähmen. Dagegen setze der Katholikentag ein Zeichen. „Aufstehen müssen wir für unsere Demokratie“, sagte sie. Sie verlangte außerdem einen besseren Schutz des Lebens von Anfang bis Ende und wandte sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und jede Form der Entmenschlichung.
Auch die beiden Bischöfe knüpften daran an. Franz Jung sagte, die Welt brauche „nicht noch mehr Hoffnungslosigkeit“ und verwies darauf, dass die Kirchen Glauben als Quelle der Hoffnung und als Ermutigung zum Leben anböten. Heiner Wilmer rief zu mehr Optimismus und Zuversicht auf und warnte vor Pessimismus, ständiger Mäkelei und Besserwisserei. Er stellte sich auch gegen jene, die die Demokratie mit Füßen treten wollen. Der Auftritt in Würzburg zeigt den Katholikentag erneut als Forum, in dem Kirche, Politik und gesellschaftliche Debatten direkt aufeinandertreffen.
Für Steinmeier bekommt die Botschaft zusätzliches Gewicht, weil seine zweite und letzte Amtszeit als Bundespräsident im März 2027 endet. Stetter-Karp verband den Ruf nach Erneuerung der Gesellschaft mit einer innerkirchlichen Forderung nach mehr Beteiligung von Laien, glaubwürdiger Teilhabe und echter Synodalität. In Würzburg ging es damit nicht nur um Trost und Ermutigung, sondern auch um die Frage, wie viel Kraft die Kirchen selbst noch für Reform und Zusammenhalt mobilisieren können.
Das ist die eigentliche Messlatte dieses Katholikentags: Ob aus den starken Worten auf dem Residenzplatz mehr wird als ein feierlicher Auftakt, entscheidet sich in den kommenden Tagen an der Bereitschaft, Streit auszuhalten, Grenzen zu benennen und den Anspruch auf Hoffnung praktisch werden zu lassen.

