Lane Kiffin verließ Ole Miss zwei Wochen, bevor die Rebels ihren Lauf um einen College-Football-Playoff-Titel beginnen sollten. Fünf Monate später wird noch immer darüber gestritten, ob er überhaupt hätte an der Seitenlinie stehen dürfen.
Der Streit hat einen klaren Kern. Ole-Miss-Athletic-Director Keith Carter wollte nicht zulassen, dass Kiffin „ein wandelndes Werbeschild“ für einen Rivalen wird, während er zugleich die offene Tür hatte, Spieler mit nach Baton Rouge mitzunehmen. Carter hatte schon mehr als einen Monat früher gesagt, dass Kiffin im Fall eines Abgangs nicht im postseason-Spielbetrieb für Ole Miss coachen werde. Als Kiffin Carter am Samstag nach dem Egg Bowl mitteilte, er werde keinen neuen Vertrag unterschreiben und den LSU-Job annehmen, war die Entscheidung aus Sicht der Rebels bereits gefallen.
Genau darin lag der Knackpunkt, als der Kiffin-Abschied zum langgezogenen Thema im College Football wurde. Die Rebels standen vor ihrer größten Bühne seit Jahren, doch ihr Trainer hatte sich längst auf den nächsten Job vorbereitet. Kiffin selbst sagte, es sei ihm in Oxford zeitweise schwergefallen zu rekrutieren, weil vergangene rassistische Spannungen dort angeblich immer noch ihre Wirkung entfaltet hätten. Das machte die Lage für Ole Miss komplizierter, denn es ging nicht nur um einen Wechsel innerhalb der SEC, sondern um das Bild eines Trainers, der zwei Programme zugleich hätte bedienen sollen.
Aus LSU-Sicht kam in dieser Debatte zuletzt etwas nüchternere Sprache auf. Athletic Director Verge Ausberry wurde dafür zitiert, in der Sache gesunden Menschenverstand eingebracht zu haben. Nach all dem Lärm wirkte seine Einschätzung wie eine späte Bestätigung dessen, was Carter in Oxford schon früh festgelegt hatte: Wenn Kiffin geht, dann soll er Ole Miss nicht mehr in den Playoffs führen. Dass diese Linie erst Monate später als vernünftig anerkannt wurde, sagt viel über den Druck aus, der in den letzten Wochen der regulären Saison rund um Kiffin, Ole Miss und LSU entstanden war.
Der Hintergrund ist eine dieser Coaching-Sagas, die sich im College Football schnell verselbstständigen. Ole Miss wusste in den Schlusswochen der Saison auch von Entwicklungen außerhalb des eigenen Programms, darunter Besuche von Florida-Verantwortlichen in Oxford während einer Bye Week und unterschiedliche Kontakte Kiffins zu LSU-Funktionären. Trotzdem blieb die zentrale Frage dieselbe: Sollte ein Trainer, der den Sprung bereits vollzogen hatte, noch das Team in die Playoff-Phase führen, das er gerade verlassen hatte? Viele im Sport sagten damals ja. Ole Miss sagte nein. Und genau diese klare Trennung hat den Rebels am Ende die Kontrolle über ihre eigene Geschichte gegeben.
Für Kiffin bleibt damit weniger die Frage nach dem Jobwechsel als nach dem Zeitpunkt. Für Ole Miss bleibt die Erkenntnis, dass Carter sich gegen den bequemeren Weg entschied und die Grenze zog, bevor aus einer internen Personalentscheidung ein öffentlicher Loyalitätskonflikt wurde. Dass LSU die Situation am Ende als richtig gelöst anerkennt, macht den Streit nicht kleiner, aber es zeigt, warum er so lange nachhallte.

