Christoph Maria Herbst verbindet seinen Namen bis heute mit einer Figur, die ihn berühmt machte und ihm anfangs auch Ärger einbrachte: Stromberg. Der 60-Jährige sagte, manche hätten die ProSieben-Serie über den Leiter der Schadenregulierung M-Z bei der Capitol Versicherung AG für eine Dokumentation über einen echten Versicherungsbetrieb gehalten. Einige hätten ihm sogar in der Öffentlichkeit Schläge angedroht, weil sie fanden, so dürfe man nicht mit seinen Mitarbeitern umgehen.
Mittlerweile, sagte Herbst, habe selbst der Verpeilteste begriffen, dass «Stromberg» nur eine Komödie ist. Wer ihn heute erkenne, wisse außerdem, dass da nicht die Rolle vor ihm stehe, sondern «der Herr Herbst, ein Schauspieler». Auf Joyn sind alle fünf Staffeln der Serie zu sehen, mit der er bekannt wurde und die seine Karriere bis heute prägt.
Wenige Tage vor der Ausstrahlung von «Geständnisse», dem dritten Fernsehfilm der Reihe «Merz gegen Merz», am 21. Mai um 20:15 Uhr im ZDF-Livestream bei Joyn, richtet Herbst den Blick aber vor allem nach vorn. Der in Köln lebende Schauspieler macht sich Sorgen über die Zukunft seines Berufs im Schatten künstlicher Intelligenz. Er sei zwar ein hoffnungsloser Optimist und versuche, dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen, sagte er, aber es falle ihm zunehmend schwer.
Herbst warnte, ganze Berufsbilder könnten verschwinden, und davon würden auch Schauspiel- und Sprecherberufe nicht ausgenommen sein. Noch sei KI weit entfernt von dem, was Empathie, Gefühl, Witz und Persönlichkeit ausmache, sagte er. Aber sie lerne ständig dazu. Aus der Distanz sei das faszinierend, zugleich denke er, dass man in manchen Bereichen vielleicht schon über berufliche Alternativen nachdenken sollte.
Dass ausgerechnet ein Mann, der in der Vergangenheit als Gevatter Tod in der Tragikomödie «Und weg bist Du» und als skrupelloser TV-Netzwerkchef Christoph Sensenbrink in der Satire «Er ist wieder da» auftrat, nun vor allem die Gefährdung seines eigenen Berufs schildert, passt zu der Art, wie Herbst öffentlich über seine Arbeit spricht: nüchtern, ohne Illusionen. Die frühere Feindseligkeit, die ihm die Stromberg-Figur einbrachte, sei inzwischen abgeklungen. Geblieben ist vor allem die Erkenntnis, dass eine Rolle berühmt machen kann, aber auch Jahre später noch mit dem Menschen dahinter verwechselt werden kann.
Für Herbst ist die Botschaft deshalb klarer als jede Nostalgie: Stromberg läuft weiter, aber die eigentliche Debatte ist heute eine andere. Es geht nicht mehr darum, ob die Figur verstanden wurde, sondern darum, ob ein Beruf, der von Stimme, Präsenz und Spiel lebt, in einer KI-Welt denselben Platz behält.

