Lesen: Sarah Engels Feminismus: Kritik nach Interview über Männer und CSD

Sarah Engels Feminismus: Kritik nach Interview über Männer und CSD

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gerät nach einer Frage zu ihrem Feminismus in die Kritik. Zu Beginn der Woche sagte sie auf die Frage, wie feministisch sie sei: „Feministisch würde ich jetzt nicht sagen, weil ich habe einen ganz, ganz tollen Mann, und ich mag auch Männer.“

Seitdem hat die Aussage eine Debatte ausgelöst, die schnell über ein einzelnes Interview hinausging. Nach Angaben aus dem Umfeld der Reaktionen kam es nach ihrem Satz zu ersten Forderungen, Engels vom auszuladen. Für viele, die den Auftritt verfolgt haben, ist das mehr als ein kurzer Shitstorm: Es ist die Frage, wie eng eine prominente Bühnenfigur mit einem politischen Begriff verbunden wird, wenn sie sich selbst davon abgrenzt.

Engels ist dabei keine Unbekannte in einer Popkultur, die weibliche Selbstermächtigung gern als Marke verkauft. Sie hatte ihr Album „Strong Girls Club“ genannt und beim ESC darüber gesungen, dass sie sich von einem lügenden Mann nicht herunterziehen lasse. Genau deshalb wirkt ihr Satz über Männer und Feminismus für viele so widersprüchlich. Wer sich im gleichen Atemzug mit starken Mädchen, verletzter Würde und Unabhängigkeit inszeniert, löst mit einer Absage an den Feminismus größere Irritation aus als ein beiläufiges Missverständnis.

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Dass solche Aussagen heute besonders scharf bewertet werden, hat auch mit einer langen Vorgeschichte zu tun. Der Artikel verweist darauf, dass viele Frauen sich vor den Zehnerjahren selbst nicht als Feministinnen verstanden und der Begriff lange einen schlechten Ruf hatte. sagte 2009, sie sei keine Feministin, weil sie Männer feiere. lehnte das Etikett Feministin ab und bezeichnete sich stattdessen als Humanistin. sagte 2012, Feminismus klinge für sie nach einem „Jungs-gegen-Mädchen-Ding“.

Gleichzeitig hat sich das Umfeld verändert. Rechte und Rollen von Frauen sind heute wieder unsicherer geworden, nicht zuletzt durch den Aufstieg der Rechten. Viele Errungenschaften, die früher umkämpft waren, gelten inzwischen als selbstverständlich: wählen zu dürfen, ohne Zustimmung des Ehemanns arbeiten zu können, über eigenes Geld zu verfügen, Zugang zu Abtreibung ohne Strafe zu haben, lange Kita-Zeiten und offen lesbisch oder queer leben zu können. Genau in dieser Lage trifft Engels' Satz auf besonders wenig Nachsicht. Die Kritik an ihr zeigt nicht nur, wie schnell ein prominentes Wort politisch aufgeladen wird, sondern auch, dass eine klare Distanzierung vom Feminismus heute deutlich weniger folgenlos bleibt als noch vor einigen Jahren.

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