Roberto de Zerbi hat Tottenham Hotspur vor dem Londoner Duell mit Chelsea aufgefordert, die Häme der Rivalen als Antrieb im Abstiegskampf zu nehmen. Die Spurs lagen mit zwei Spielen vor Schluss nur zwei Punkte vor West Ham United auf dem letzten Abstiegsplatz und brauchten aus den verbleibenden zwei Partien zwei Zähler, um den Klassenverbleib sicher zu machen.
„Wir müssen aus diesem Druck neue Motivation finden“, sagte De Zerbi am Montag. Mit Blick auf die Stimmen, die Tottenham den Abstieg wünschen, fügte er hinzu: „Wenn alle wollen, dass Tottenham absteigt, ist das für mich eine große Motivation, und ich hoffe, für meine Spieler auch.“ Er ergänzte: „Der Stolz ist eine unglaubliche Motivation.“
Für Tottenham geht es damit in die Wochen des größten sportlichen Drucks seit Jahrzehnten. Der Verein war zuletzt 1977 aus der höchsten englischen Spielklasse abgestiegen, und schon ein Punkt dürfte wegen der deutlich besseren Tordifferenz wahrscheinlich reichen, um die Gefahr zu entschärfen. Genau deshalb kommt dem Auftritt am Dienstag gegen Chelsea besondere Bedeutung zu: Das Spiel ist nicht nur ein Derby in London, sondern auch die nächste Gelegenheit, den Abstand nach unten zu verteidigen.
Der Spielplan lässt Tottenham kaum Raum für Ausreden. Nach dem Gastspiel bei Chelsea endet die Saison am Sonntag mit einem Heimspiel gegen Everton. West Ham hat dagegen nur noch eine Partie vor sich, zu Hause gegen Leeds United. Das erhöht den Druck auf die Spurs, weil jeder Fehltritt den Abstand zum Tabellenende wieder zusammenschrumpfen lassen könnte.
Zwischen den mahnenden Worten und der Lage in der Tabelle liegt der eigentliche Widerspruch dieser Phase. De Zerzi versucht, aus dem Spott von außen Energie zu ziehen, doch Tottenham braucht auf dem Platz vor allem Nervenstärke. Gegen Chelsea geht es nicht nur um drei Punkte, sondern darum, ob die Mannschaft die eigene Saison mit einem Schritt in Richtung Sicherheit statt mit einem Blick nach unten fortsetzt.
Am Ende bleibt für Tottenham nur eine einfache Rechnung: mindestens ein Punkt sollte wegen der Tordifferenz reichen, zwei würden den Verbleib sicher machen. Alles andere würde das letzte Heimspiel gegen Everton zu einem nervösen Finale machen, das der Klub nach den jüngsten Warnungen unbedingt vermeiden will.

