Weltweit haben Solaranlagen im Jahr 2023 wegen Aerosolen in der Luft rund 5,8 Prozent ihrer möglichen Leistung verloren. Das entspricht nach einer in Nature Sustainability veröffentlichten Studie etwa 111 Terawattstunden Strom – genug, um den Effekt der Luftverschmutzung als versteckten Bremsklotz der Energiewende sichtbar zu machen.
Die Forscher werteten mehr als 140.000 Solarinstallationen weltweit aus und kamen zu dem Schluss, dass China am stärksten betroffen war. Dort sank die Solarstromproduktion im Schnitt um 7,7 Prozent, in den USA lag der durchschnittliche Verlust bei 3,1 Prozent. Die Unterschiede sind kein Zufall: In China liegen Solarparks und Kohlekraftwerke häufiger dicht beieinander, in den USA seltener. Genau dort entsteht ein großer Teil der Partikel, die Sonnenlicht streuen und absorbieren, bevor es die Module erreicht.
Besonders ins Gewicht fallen Sulfat-Aerosole, die aus Schwefeldioxid entstehen. Sie verringern die Strahlung auf den Paneelen direkt, verändern aber auch Wolkenbildung und Luftfeuchtigkeit und drücken damit die Effizienz weiter. Die Studie beziffert die weltweiten Verluste von 2017 bis 2023 auf etwa ein Drittel der zusätzlichen Strommenge, die neue Solaranlagen in diesem Zeitraum erzeugten. In China lagen die Einbußen bei manchen Anlagen sogar bei mehr als 50 Prozent dieses Zusatzstroms.
Der Befund trifft die Debatte über Solarstrom genau jetzt, weil er die Klimabilanz nicht nur von Technik und Investitionen, sondern auch von Luftqualität abhängig macht. Kohlekraftwerke, deren Emissionen diese Partikel mit antreiben, sind damit mehr als ein Parallelproblem: Sie mindern die Leistung der Anlagen, die sie eigentlich wirtschaftlich und klimapolitisch herausfordern sollen. Die Studie warnt deshalb, dass Energiemodelle den Nutzen von Solarstrom überschätzen können, wenn sie Luftverschmutzung nicht einrechnen.
Ganz ohne Bewegung ist das Bild nicht. Seit 2013 gehen die aerosolbedingten Verluste in China im Schnitt um 1,4 Prozent pro Jahr zurück, was die Autoren mit strengeren Umweltregeln und besserer Filtertechnik verbinden. Zugleich plant das Land weiter neue Kohlekraftwerke, obwohl Solar- und Windkraft den Energiebedarf noch nicht vollständig decken. Ein Bericht von Global Energy Monitor kommt hinzu und zeigt, dass stillgelegte Kohlebergwerke bis 2030 fast 300 Gigawatt zusätzliche Solarkapazität ermöglichen könnten. Die Frage ist damit weniger, ob Solarstrom wächst, sondern wie viel davon am Ende tatsächlich auf dem Netz landet.

