Zoë Saldaña sagt heute offen, dass sie Nina Simone nie hätte spielen dürfen. Die 47-Jährige sprach damit erneut über eine der umstrittensten Rollen ihrer Karriere, mehr als acht Jahre nachdem der Film „Nina“ erschienen war.
Saldaña gewann im vergangenen Jahr den Oscar als beste Nebendarstellerin für das Musical „Emilia Pérez“. Doch ihr Blick zurück fiel diesmal nicht auf den Preis, sondern auf einen Fehler, der sie seit Jahren verfolgt. In einer Instagram-Live-Schalte sagte sie 2020, sie hätte alles in ihrer Macht Stehende tun sollen, damit eine andere schwarze Frau die Rolle übernimmt. Sie fügte hinzu, sie habe damals geglaubt, sie habe als schwarze Frau die Erlaubnis dazu. Heute beschreibt sie die Entscheidung anders. „Aber es ist Nina. Nina hatte ein Leben und einen Lebensweg, die bis ins kleinste Detail hätten respektiert werden müssen, denn sie war eine einzigartige Persönlichkeit. Sie hätte mehr verdient, und es tut mir leid“, sagte Saldaña.
Die Debatte begann schon 2016, als Saldaña die afroamerikanische Sängerin, Pianistin und Bürgerrechtsaktivistin in der Biografie „Nina“ spielte. Viele Fans protestierten sofort, weil ihre Hautfarbe und ihre Gesichtszüge Nina Simone nicht entsprachen. Die Produktion dunkelte ihre Haut mit Make-up ab, setzte ihr eine Nasenprothese ein und gab ihr ein künstliches Gebiss. Diese Gestaltung wurde von Kritikern als Blackface gelesen. Der Film selbst wurde künstlerisch und kommerziell zum Fehlschlag. Weltweit spielte er nur etwas mehr als 23.000 US-Dollar ein, kam in Deutschland nicht in die Kinos und liegt bei Rotten Tomatoes bei 2 Prozent positiven Kritiken.
Dass Saldaña ihre eigene Besetzung inzwischen so klar verurteilt, zeigt, wie scharf sich der Blick auf solche Rollen in den vergangenen Jahren verändert hat. Nina Simone starb 2003, und die Auseinandersetzung um die Frage, wer sie darstellen darf, begann nicht erst mit dem Film, sondern mit der Ankündigung der Besetzung. Heute steht Saldaña als Oscar-Gewinnerin und vertrautes Gesicht aus „Star Trek“, „Guardians Of The Galaxy“ und „Avatar“ weit sichtbarer im Rampenlicht als damals. Gerade deshalb hat ihr spätes Eingeständnis Gewicht: Sie verteidigt ihre damalige Entscheidung nicht, sondern nennt sie einen Fehler, der eine andere Besetzung verdient hätte.

