Am Sonntagabend, dem 17. Mai 2026, trifft Pisa in der Cetilar Arena auf Napoli – ein Spiel, das für beide Seiten mehr bedeutet als gewöhnliche Saisonroutine. Pisa ist bereits abgestiegen, doch die Mannschaft spielt noch gegen einen unerwünschten Makel: den schlechtesten Negativlauf in der Vereinsgeschichte der Nachkriegszeit. Napoli reist dagegen mit dem klaren Ziel an, die Champions-League-Runde endgültig zu sichern.
Für Oscar Hiljemark ist es ein unangenehmer Abend schon vor dem Anpfiff. Der Trainer verzichtete zum ersten Mal vor einem Heimspiel und zum zweiten Mal in Folge auf eine Pressekonferenz, obwohl sein Vertrag bis 2027 läuft und die Bilanz mit nur 4 Punkten aus 13 Spielen wenig Raum für Ruhe lässt. In Pisa wächst deshalb der Eindruck, dass die Partie nicht nur sportlich, sondern auch politisch innerhalb des Klubs Gewicht hat. Hiljemark braucht ein Ergebnis, das über das nackte Tabellenbild hinausgeht.
Auf dem Platz soll Pisa nach Lage der Dinge wieder mit dem Duo Moreo und Stojilkovic beginnen. Bozhinov fehlt gesperrt, Coppola hat muskuläre Probleme, Tramoni ist weiter nicht dabei. Eine positive Nachricht gibt es aber: Marin hat sich von einer Verletzung am Kollateralband des linken Knies erholt und soll nach zweieinhalb Monaten erstmals wieder in der Startelf stehen. Der Zeitpunkt könnte kaum symbolischer sein. Pisa ist unten angekommen, aber einzelne Rückkehrer sollen wenigstens verhindern, dass die Saison in der Statistik weiter entgleist.
Napoli kommt mit weit besserer Ausgangslage nach Toskana. Bis auf Lukaku stehen Conte alle Spieler zur Verfügung, wobei der Stürmer laut Vereinsumfeld für den Saisonendspurt praktisch abgeschrieben ist. David Neres ist erstmals wieder dabei, nachdem er sich Anfang Januar verletzt und später am Sprunggelenk operieren lassen musste. Politano reiste trotz Sperre mit, während Antonio Conte vor einer letzten Entscheidung zwischen Beukema und Spinazzola steht. Sollte Beukema beginnen, würde Di Lorenzo auf den Flügel rücken und Politano dort ersetzen. Im offensiven Mittelfeld ist zudem De Bruyne wieder für die Rolle vorgesehen, die er schon vor dem Spiel gegen Bologna innehatte.
Gerade diese Personalien zeigen, wie unterschiedlich die Lage beider Teams ist. Pisa kämpft um Würde, Napoli um Vollendung. Für die Gastgeber wäre jede weitere Niederlage ein Schritt näher an einer Marke, die seit 1954 niemand mehr erleben will. Für die Gäste reicht ein Sieg, um den Champions-League-Platz praktisch festzumachen. Hiljemarks Lage bleibt dabei die fragilste: Der Klub vertraut ihm offiziell weiter, doch die Zahlen und die Stille vor dem Anpfiff erzählen bereits eine andere Geschichte.
Am Ende hängt an diesem Abend für Pisa mehr als nur ein Ergebnis. Sollte die Mannschaft erneut verlieren, wäre nicht nur der Abstieg längst verfestigt, sondern auch die Frage drängender, wie lange ein Trainer mit 4 Punkten aus 13 Spielen und einem Vertrag bis 2027 noch als Lösung gelten kann.

